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Poesie und Party: Die Fantastischen Vier setzten das bei ihren Auftritten perfekt um.

Fanta Vier in der Olympiahalle

München - Die Fantastischen Vier machten mit einem Konzert in der Münchner Olympiahalle ihrem Namen alle Ehre. So war's:

Die Rock-Dinos von U2 haben es im September vorgemacht: Die Bühne gehört in die Mitte der Arena! Und so sind auch die Fantastischen Vier in München mit einer von allen Seiten einsehbaren Untertasse gelandet, die die Stuttgarter Sprechreimer in ihrer Begrüßung zärtlich „Pleasuredome“ nennen. Nicht zuletzt dank dieser 360-Grad-Rundbühne wird ihr Konzert in der fast vollen Olympiahalle zu einer runden Sache.

Zu „Wie Gladiatoren“ ziehen die HipHop-Heroen in die Arena ein, mit ihrem jüngsten Charterfolg „Gebt uns ruhig die Schuld“ sorgen sie für die erste Überraschung: Der Ohrwurm, der auf Platte arg nach Sesamstraße klingt, geht live richtig ab. Wer befürchtet hatte, Fanta Vier müssten sich demnächst in Fanta Vierzig umbenennen, sieht sich getäuscht: Bei ihrem mitreißenden Zwei-Stunden-Auftritt absolvieren die betagten Berufsjugendlichen ein beachtliches Lauf- und Hüpfpensum ohne Ermüdungserscheinungen; es riecht nach Achselschweiß und gutem Dope, und unter dem Motto „Ride the F-Train“ entführen die Lauschgift-Dealer das Publikum in die vierte Dimension.

Das Quartett macht seinem Namen alle Ehre und liefert eine fantastische Show – unterstützt von einer fünfköpfigen Liveband und einer intelligenten Lichtregie mit kreisförmigen, über der Bühne schwebenden Leuchtbanderolen, die auch als Video-Projektionsfläche dienen. Postpubertäre Partyhits wie „Sie ist weg“ treffen hier auf die Akronym-Orgie „Mfg“ oder die atmosphärische Jazzlounge-Nummer „Tag am Meer“ mit Kontrabass und ausuferndem Keyboard-Solo.

HipHopHurra: Smudo verwandelt die begeistert mitgehenden Fans bei „Smudo in Zukunft“ in einen königlich bayerischen Gospelchor. Thomas D. präsentiert in dem traumhaft inszenierten „Krieger“ die Tattoo-Schwingen auf seinen durchtrainierten Schultern. And.Ypsilon streut an seiner digitalen Kommandozentrale fleißig Samples von Lou Reed (in „Der Picknicker“) bis zu den Jackson 5 (in „Was geht“) ein. Und Michi Beck weckt mit Old-School-Scratch-Künsten an den Plattentellern Erinnerungen an das München-Debüt der Band 1991 im Backstage.

Kein Wunder, dass die Godfathers of Deutschrap seit zwei Jahrzehnten Erfolg haben: Sie machen HipHop mit Hirn und Hintersinn – für Leute, die normalerweise bei einem Sprechreimer oft an einen Brecheimer denken. Ihre intelligenten, witzigen und eleganten Texte sind der beste Beweis dafür, dass sich die Begriffe „Poesie“ und „Party“ nicht ausschließen. Und in ihrem musikalisch abwechslungsreichen Spaß-Universum haben Schweinerock, Jazz, Elektronik und Reggae ebenso Platz wie Funk oder Soul. Die Live-Präsenz der vier Wortsportler auf der Bühne und die überbordende Stimmung auf den Rängen zeigen: Diese Rap-Rentner gehören noch lange nicht zum alten Eisen.

Nachdem Smudo sich bei der letzten Zugabe „Populär“ in die Menge gestürzt hat, ruft er zum Abschied: „Passt auf euch auf! Wir brauchen euch noch!“ Wir euch auch, Jungs!

Marco Schmidt

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