Fantastische Schätze

- Er legte Schmuck und wertvolle Kleidung ab, schnitt sich mit dem Schwert die Haare ab und lebte fortan heimatlos in Askese und Meditation. Die zentrale Szene des nordindischen Fürstensohns Siddhartha auf seinem Weg zum Buddha ist vielfach dargestellt. Sollte sie doch zum Zeichen einer Religion der weltlichen Entsagung und zum Vorboten für die Erlösung von der Wiedergeburt werden. Da scheint es einerseits zwar logisch, andrerseits doch widersprüchlich, dass die heiligen Schriften prunkvoll in Gold, Silber und üppiger Farbe überliefert wurden. "Die Worte des Buddha in den Sprachen der Welt" ist also auch eine prächtige Schau. In erster Linie aber zeigt die Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek München den Buddhismus in verschiedenen Ländern, Ausformungen und Übersetzungen.

In der Mitte stapelt sich ein riesiger Turm: 1938 hat der 13. Dalai Lama veranlasst, die neue Kanjur-Ausgabe zu drucken. Imposante 99 Bände plus ein Katalog dienen als Glaubensbasis, über 48 000 Drucktafeln wurden dafür erstellt. Die gewaltige Menge ist einer der Schätze, die Günter Grünbold jetzt für seine Abschiedsausstellung aus den Archiven der Orient- und Ostasienabteilung befreit hat. Es kommen in der Schatzkammer noch ganz andere Raritäten hinzu. <BR>Zuerst aber wird klar gemacht, was es mit den vier Sammlungen der Schriften auf sich hat: Die Tripitaka hat in der alten, mittelindischen Pali-Version, im Sanskrit, in China und in Tibet sehr verschiedene Ausformulierungen, Inhalte und auch Übersetzungen. Handschriftliche Überlieferungen, frühe Beweise der chinesischen Buchdruckkunst, rare Faksimile-Editionen konkurrieren in München. Fein ziselierte Silberblätter oder Plamblatthandschriften zwischen Gold und Edelsteinen aus Ceylon, zartes Elfenbein-Ornament oder ein fragiles, bunt bebilderte Faltbuch aus Birma, goldene Szenen auf tiefblauem Grund aus Japan und China oder farbige Schriftstickerei auf Brokat aus einem mongolischen Kloster zeugen von der Wichtigkeit der Schriften.<BR><BR>Manch historische Szene liegt ihnen zugrunde: So ließ die japanische Kaiserin Shotoku im achten Jahrhundert ihren Dank für die Überdauerung des Bürgerkrieges in Form von kleinsten Schriftrollen kundtun. Der 4. Dalai Lama autorisierte seine "geheime Autobiografie" mit dem roten Daumenabdruck. Kein Wunder, dass derlei Schätze auch vom heutigen Dalai Lama in seinem Grußwort als einzigartig betitelt werden. <P>Bis 20. März, Katalog: 15 Euro, Tel. 089/ 28 63 82 256. <BR></P>

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