Streetart München
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Unter der Donnersbergerbrücke liegt die größte Graffiti-Freiluftgalerie Deutschlands. Den Pfeiler links gestaltete Beastiestylez, eine der wenigen Künstlerinnen der Münchner Szene. Das Münchner Kindl stammt von Flin.
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Mr. Woodland verewigte diese Ratten unter der Donnersbergerbrücke.
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Streetart-Galerie unter der Donnersbergerbrücke.
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Streetart-Galerie unter der Donnersbergerbrücke.
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Streetart-Galerie unter der Donnersbergerbrücke.
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Streetart-Galerie unter der Donnersbergerbrücke.
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Streetart-Galerie unter der Donnersbergerbrücke.
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Streetart-Galerie unter der Donnersbergerbrücke.

Kunst im öffentlichen Raum

Farbenfrohe Spurensuche: Das ist Münchens schönste Streetart

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Die Schau „Magic City“ ist noch bis September in Münchens Kleiner Olympiahalle zu sehen. Großartige Straßenkunst gibt es aber auch an ausgewählten Plätzen in der Stadt zu sehen. Wir haben sie besucht. 

München - Mit einem Bild von mehr als 50 Metern Länge schrieb München im Jahr 1985 Kunstgeschichte. Das Werk war eine Gemeinschaftsarbeit von sieben jungen Burschen. Als Belohnung mussten sie Geldstrafen zahlen und Sozialstunden ableisten. Sie hatten in Geltendorf über Nacht eine komplette S-Bahn unterhalb der Fenster fantasievoll besprüht. Es war der erste „whole train“ Europas.

Derzeit gastiert in der Kleinen Olympiahalle die Streetart-Ausstellung „Magic City“. Sie bringt das Thema Graffiti auch für Menschen aufs Tapet, die sich sonst kaum mit der Materie befassen. Zugleich wirft die Schau Lichter auf jene Orte, an denen sich die Kunstform in den Sechziger-, Siebziger- und vor allem Achtzigerjahren entwickelt hat. Das waren nicht die Ateliers, sondern die Straßen und Bauten im urbanen Raum. In München trieb sich die Szene Mitte der Achtziger auf dem alten Flohmarktgelände an der Dachauer Straße herum. Das Areal ist längst Geschichte. Doch finden sich noch immer einige Stätten in der Stadt, an denen die Sprayer wirkten und wirken.

Beim Deadline Urban Art Festival treffen sich Szenegrößen

Martin Arz kennt die wichtigsten Münchner Graffiti-Plätze. Er ist bildender Künstler, aber auch Stadtführer, Autor, Verleger. Demnächst erscheint sein Buch „Munich Walls. Urban Art auf Münchens Wänden“. Darin präsentiert er aufsehenerregende Graffiti und Wandgemälde aus den vergangenen Jahren. Als Stadtführer zeigt er die Bilder Interessierten immer wieder auch im Original.

So etwa auf dem Schlachthofgelände. Dort, wo im Sommer das Freiluftkino stattfindet, haben vor einem Jahr über 20 Künstler eine 1200 Quadratmeter große Fassade gestaltet, ganz legal. Im Rahmen des Deadline Urban Art Festivals entstand unter anderem ein chromblitzender Delfin und zwei Figuren beim Fadenspiel. Schon 2015 hatten Sprayer die Wände mit Bildern versehen, auch damals ganz offiziell im Rahmen des Festivals. Dazu werden freilich nur Szenegrößen eingeladen.

Loomit und Won ABC zählen zu den wichtigsten Münchner Sprayern

Wer noch keinen Namen hat und einfach wild loslegen will, muss das gesetzwidrig tun – oder er geht ein paar Schritte weiter. Dort, wo die Tumblingerstraße den Münchner Südring unterquert, befinden sich Münchens einzige legale Graffiti-Wände. „Da hat die Stadt große Versäumnisse“, sagt Martin Arz. „Sie müsste mehr Platz zur Verfügung stellen.“ Dass an dem begrenzten Raum links und rechts vor der Unterführung fleißig grundiert und gesprüht wird, sieht man. Die Bürgersteige sind mit Farbflecken bedeckt. Wer sich hier verewigt, muss damit rechnen, dass sein Œuvre schnell wieder Geschichte ist. Irgendwer wird es bald „crossen“, so der Fachausdruck, also zerstören, indem er sein „Tag“, sein Signaturkürzel hineinschreibt, oder sein eigenes Bild darüberlegt. Das passiert ziemlich oft. „Als Streetart-Künstler musst du dich sofort nach Fertigstellung von deinem Werk verabschieden“, erklärt Arz. „Das hat der Sprayer Loomit einmal gesagt.“

Loomit war 1985 beim Geltendorfer Zug dabei. Heute ist er ein Star. Neben Won ABC zählt er zu den gerade mal zwei Vertretern der Münchner Szene, die an der Ausstellung „Magic City“ mitwirken. Laut Arz hat Loomit gerade sein Faible für Elefanten entdeckt. Zwei dieser Tiere, ein großes und ein kleines, finden sich in einer Unterführung am Auer Mühlbach, wo die Lohstraße die Candidstraße kreuzt. Die Wände wurden dem Künstler vom Baureferat zur Verfügung gestellt.

HNRX hat sich auf Food Graffiti spezialisiert

Neben Loomit wirkte hier vor allem der Österreicher HNRX. Seine Spezialität: Food Graffiti. In seinen Wandbildern tummeln sich Gurken, Tomaten, ja sogar Shrimps. HNRX habe viele Neider, seine Arbeiten würden daher oft gecrosst, erzählt Arz. Gleich um die Ecke, unterhalb des Mittleren Rings am Candidplatz, zeigt der Graffiti-Experte dann eine ganze Bilderwelt. Viele Säulen wurden hier von renommierten Künstlern wie dem Frankfurter Case und dem Australier Rone gestaltet. Zu sehen sind Werke unterschiedlichster Machart – vom Stencil, bei dem mit Schablonentechnik gearbeitet wurde, bis hin zur Klebekunst.

Noch mehr Graffiti zieren die Unterwelt der Donnersbergerbrücke zwischen S-Bahn und Arnulfstraße. Eine riesige Freiluftgalerie mit über 2000 Quadratmetern Malfläche tut sich all jenen auf, die unter das rußdunkle Dach schlüpfen und nicht nur Augen für freie Parkplätze haben. In vier Phasen wurde über Jahre hin so gut wie jeder Pfeiler und jede Wand bunt gestaltet. Gleich am Anfang stechen die großäugigen, bunten und manchmal ziemlich frechen Frauenfiguren der Münchner Streetart-Künstlerin Beastiestylez ins Auge. Sie ist eine der wenigen Frauen, die sich in der Szene tummeln. Bemerkenswert ist vor allem der hohe Lokalfaktor der Werke. Einzelkünstler wie Won ABC und Mr. Woodland beziehungsweise Kollektive wie Graphism und „Der blaue Vogel“ gehören zur hiesigen Szene. Oftmals spiegeln sich in ihren Werken zur Stadt passende Themen wider, darunter Flins zorniges Münchner Kindl und der Karl Valentin auf einer Wand von Zement, Trim und Chew. „Das hier ist die größte Freiluftgalerie Deutschlands“, schwärmt Martin Arz. Manche mögen ihm widersprechen – das sei doch die East Side Gallery in Berlin. Darauf allerdings ist er vorbereitet: „Da sind keine Originale mehr zu sehen. Hier schon.“

Streetart in der Kleinen Olympiahalle: alle Informationen unter www.magiccity.de

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