Farbenprächtige Armee des ersten Kaisers

- Es ist ein imposantes, ein aussagekräftiges Beispiel für das tragisch unvollkommene Gedächtnis unserer Zeit: Welche Farbe hat die berühmte chinesische Terrakotta-Armee? Die falsche Antwort lautet: Terrakotta. Tief eingeprägt in unser Wissen hat sich eine gewaltige Zahl graugelblicher Krieger, welche in Reih und Glied ein riesiges Heer bilden.

So mag man kaum glauben, dass es sich bei den beiden bunt gemusterten, in der Säulenhalle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufgestellten, lebensgroßen Figuren um Nachbildungen eben dieser rund 2200 Jahre alten Grabbeigaben des ersten chinesischen Kaisers handelt. Doch nicht nur das Verkleben der zumeist in 60 bis 80 Stücke zerbrochenen Krieger ist Teil der seit 1990 bestehenden, fruchtbaren Forschungszusammenarbeit des Bayerischen Landesamtes mit dem Museum in Lintong, sondern seit drei Jahren auch die Reproduktion ihrer ursprünglichen Farben.

Die ausführliche Forschungsdokumentation zur Terrakotta-Armee bildet nur eine von drei kleinen Ausstellungen im Alten Hof im Rahmen der Münchner Reihe "Wissensspeicher". Eine weitere beschäftigt sich mit dem "Visuellen Gedächtnis Bayerns". Denn auch hier verbirgt sich eine Unzahl von buchstäblichen Erinnerungsbildern, die unser Wissen bisher noch nicht erreicht hatten: Das Bildarchiv des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, schon 1887 gegründet, umfasst 1,2 Millionen historische Fotos, und es ist eine Aufgabe von außerordentlicher Bedeutung, diese durch unzureichende Lagerung beschädigten Albuminpapiere, etwa eine Ansicht des Viktualienmarktes von 1855, und Gelatine-Glasplatten-Negative, etwa eine Serie der kriegszerstörten Münchner Innenstadt, sowie Farbdiapositive durch Digitalisierung und sorgfältige Klimaarchivierung zu erhalten.

Bei der dritten Schau, untergebracht in der benachbarten Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, wird das Erstaunen über die bisherige fehlende Sensibilität im Umgang mit dem künstlerisch-geistigen Kulturerbe schließlich nicht kleiner: Gewissermaßen in wissenschaftlicher Weiterführung der Bayreuther Ausstellung "Die Szene als Modell" (wir berichteten) dokumentiert "Wagners kleine Bühnenwelten" nun die phönixhafte Rettung von 85 Bühnenbildmodellen des Richard-Wagner-Museums Bayreuth (1886-1912), vor allem aus der Werkstatt der Gebrüder Brückner.

Gefördert durch die Landesstelle, wurde die wichtige Sammlung der filigranen, detailreichen Miniaturdekorationen - lange als bloße Arbeitsmaterialien wie als didaktische Anschauungsobjekte misshandelt und etwa durch Lochung, Beschneidung und zu starke UV-Strahlung stark beschädigt - in den vergangenen sieben Jahren umfassend restauriert. So können sich beispielsweise die gelben und blauen Blütengirlanden des "Parsifal"-Zaubergartens von 1911, noch vor kurzem geknickt und vergessen, heute wieder in ihrer fragilen Schönheit präsentieren.

China; Fotoarchivierung: bis 9. September, Hofgraben 4, tägl. 9-16 Uhr.

Bühnenbilder: bis 15. September, Alter Hof 2, Mo-Fr 10-16 Uhr, Sa, So 14-17 Uhr; www.wissensspeicher-muenchen.de. Der Eintritt ist frei.

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