Farbfamilie Gelb

- Es könnte auch ihr Kosename werden: Farbfamilie Gelb. Der ADAC baut sich eine neue Zentrale in der Münchner Hansastraße (beim S-Bahnhof Heimeranplatz) und lud zu diesem Anlass zu einer Entwurfspräsentation mit dem Architekten Matthias Sauerbruch vom Büro Sauerbruch Hutton, Gewinner des Wettbewerbs von 2004 (aktuell beschäftigt mit dem Bau des Münchner Museums Brandhorst).

Die Bestimmung des gelb-schwarz gescheckten Neubaus auf circa 75 000 Quadratmetern lässt den Begriff der "Farbfamilie" nun leicht über seine fachliche Bedeutung hinauswachsen: Die sechs Münchner ADAC-Standorte werden zusammengeführt. Für Januar erwartet man die Baugenehmigung, und Anfang 2010 sollen hier bereits 2500 Mitarbeiter einziehen.

"Die Mobilität des ADAC soll im Gebäude sichtbar sein", so ADAC-Geschäftsführer Hans Reuter. Die klare, durch ihre für Sauerbruch und Louisa Hutton charakteristische Kastenfenstergliederung bewegte Fassade des fünfgeschossigen Sockelbaus soll in Dialog mit den Wegen der Stadt treten. Im Norden, so erklärt der Architekt, reagiere eine lange Gerade auf die Geschwindigkeit der parallel verlaufenden S-Bahn-Strecke (die U-Bahn indes fährt direkt unter dem Grundstück und fordert ein aufwändiges Überbrückungsbauwerk); im Süden antworteten drei sternförmige Zacken auf den "Maßstab des Fußgängers", auch im dekorativen Gegenpart zu den drei bauchigen Höfen auf der anderen Straßenseite. Sie bildeten außerdem den Rahmen für das denkmalgeschützte Haus Sander im Südosten des Grundstücks.

Im Innern dann, betont Sauerbruch, werde das Öffentliche auf das Private treffen, das Gemeinschaftliche auf das Individuelle: Durch drei Eingänge erreicht man den asymmetrischen, teilweise überdachten Hof, von dem etwa die Veranstaltungsräume abgehen. In den verbundenen Zacken der Obergeschosse liegen die Büros; die vier "Häuser" werden zusammengefasst durch eine Galerie, die "ADAC-Straße". Auf dem Sockel schließlich soll sich im Norden das 18-geschossige ADAC-Hochhaus erheben, in sich ein weiterer Dreizack mit einer verspielten Auskragung über der S-Bahn. Mit seiner schwarz-gelben Glasfassade wirkt es in dem luftig geschlossenen Ensemble-Entwurf wie der stolze Familienvater.

Schau zur Baukunst von Sauerbruch Hutton in der Pinakothek der Moderne bis 22.10.

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