Farbfeurige Blüte

- Frida Kahlo ist gestorben. Heute vor 50 Jahren. Schon lange zählt die mexikanische Autodidaktin zu den Großen, zu den Populären ihres Metiers. Sie selbst, ihr Schicksal ist mit ihrer Malerei zu einer faszinierenden Einheit verschmolzen. Das demonstrieren auch die bisher unveröffentlichten Porträtaufnahmen von ihr, die nun im Schirmer/ Mosel Showroom am Hofgarten, Galeriestraße 2, erstmals zu sehen und zum Teil auch zu erwerben sind.

<P>Nickolas Muray, bereits ein angesehener Prominentenfotograf, kam 1931 nach Mexiko. Eben auch in Künstlerkreise, wo er Frida Kahlo traf und "es wohl schon zwischen beiden funkte", wie Marion Kagerer vom Showroom erzählt. Kahlo, 1907 geboren, rettete sich nach ihrem schweren Unfall 1925, an dessen Folgen sie bis zu ihrem Tod 1954 litt, durch Kunst, entwickelte eine fantastische Bildsprache aus ihrer Persönlichkeit und den kulturellen Kräften Lateinamerikas. 1938 wurde ihrem Schaffen eine Einzelausstellung in New York gewidmet, Anlass für Muray (1892-1965) zu einer Porträtserie. In Farbe, was damals absolut unüblich war. Für seine koloristischen Experimente fand er bis in die späten 40er-Jahre in Frida Kahlo, die nicht nur ihre Gemälde, sondern auch ihr Äußeres farbfeurig gestaltete, die perfekte Partnerin. Und eine innige Geliebte.<BR><BR>Überraschend ist die Brillanz dieser Farbfotografie. Im Bildaufbau, in der Statuarik richtete sie sich ganz an Kahlos optischen Vorgaben aus. Ihr Wagemut übertrug sich auf ihn: Da sitzt die Malerin im schwarzen Kleid mit rot-gelben Borten, unter dem ein üppiger weißer Rock hervorschaut, auf einer weißen Bank. Nur deren filigrane Gusseisen-Lehne aus Weinblättern und Trauben ist sichtbar. Dahinter strahlt, durchsetzt von Blüten, eine grüne Wand auf. Die größte, schönste, fremdartigste Blüte ist Frida Kahlos Haupt.<BR><BR>Neben diesen Aufnahmen gibt es natürlich auch Schwarzweißfotos: Kahlo mit ihrem Mann Diego Rivera, im Atelier mit Nickolas Muray oder vor einem Doppelselbstbildnis; auf der Fotografie erscheint uns also dann eine Tripel-Frida.</P><P>Bis 7. 9. Tel. 089/ 29 16 16 01. Das Buch dazu ("Ich werde Dich nie vergessen") erscheint bei Schirmer/ Mosel Anfang August. Kahlos Briefe, Gedichte und Notizen ("Jetzt, wo Du mich verlässt, liebe ich dich mehr denn je") sind bei SchirmerGraf erhältlich. <BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare