Farbige Lümmel

- Befremdlich. Wenn plötzlich Farbe ist, wo vorher noch Grautöne herrschten. Wenn Butler James aus dem Silvester-Zeremoniell "Dinner for One" auf einmal roten Wein einschenkt oder Hans Pfeiffer aus dem Vorweihnachts-Ritual "Die Feuerzangenbowle" eine braune Schulbank drückt. Gewöhnungsbedürftig für eine Fantasie, die hier bis dorthin keinerlei Farben bedurfte.

<P>Nicht wie beim berühmten 90. Geburtstag von Miss Sophie innerhalb des Films, sondern auf einer Theaterbühne findet nun die Nachkolorierung des Oberpennälers Pfeiffer statt. In der Komödie im Bayerischen Hof wagt Regisseur Karl Absenger die freche Wiederbelebung. Er bringt Heinrich Spoerls "Feuerzangenbowle" in kurzen Szenen lustig zum Köcheln, lässt sieben Schauspieler auf Thomas Peknys Bühne zwischen Schülerbude und Schulbänken, zwischen "Stundenverzögerungsaktionen" und der "Loreley" noch einmal Lümmel sein.<BR><BR>Pfeiffers drei F, das "Sie denken ja schon wieder!" des Direktor Knauer, "de Dampfmaschin", das "Sä sänd albärn" des Professor Crey _ die vergnügliche Inszenierung der zweistündigen Theaterbearbeitung wirkt wie ein Medley aus Kassenschlagern, und oft hört man die populären Sätze aus dem Publikum, noch bevor sie auf der Bühne gesprochen sind.<BR><BR>Absenger bleibt nah an Helmut Weiss' Film, Karl-Heinz Gierke, Dieter Henkel und Wolfram A. Guenther spielen die drei grauen Schul-Eminenzen Knauer, Bömmel und Crey mit bemerkenswertem Kopiervermögen. Pascal Breuers charmant-galanter Pfeiffer aber will seinem Original nicht zu nahe kommen - wer könnte schon einem Heinz Rühmann nacheifern?<BR><BR>Überraschenderweise, vor allem wohl dank der großen Bekanntheit des Films, aber auch ob Absengers schwungvoller und bunter Färbetechnik, wirkt die Bühnen-"Feuerzangenbowle" nicht lange befremdlich. Diese Inszenierung macht wieder Lust, den alten Streifen abzuspielen. Die so bezeichnende Nostalgie bleibt den Grautönen des Originals vorbehalten.<BR><BR>Bis 23.11., 20 Uhr, Sa. und So. auch 15.30 Uhr, Tel. 089/29 16 16 33.</P>

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