Farce aus der Rabatt-Verkaufswelt

- Wer gut tanzt, ist nicht unbedingt deswegen auch ein guter Tanzschöpfer. Mancher aber doch. Mit "Tänzer choreographieren" hat Philip Taylor, Münchens BallettTheater-Chef am Gärtnerplatz, den Mitgliedern seiner Truppe eine Plattform geschaffen, um just schöpferisches Potenzial auszuloten. Bescheiden fing es im Akademietheater an und ist inzwischen im eigenen Haus am Gärtnerplatz angekommen. Bei der Kompaktheit dieser achten Ausgabe - mit zwölf Stücken von elf Choreographen - fühlt man sich fast wie bei einem choreographischen Wettbewerb.

Da bietet sich so etwas wie eine Preisvergabe an - auch wenn sich im Talente-Pool zwischen gekonntem Handwerk und Bewegungsrecherche, Ernst und Comedy bei jedem noch irgendetwas Interessantes finden lässt. Den ersten Preis in der Kategorie Gruppen-Choreographie teilen sich Katharina Neuweg und Alex Frei. Die Österreicherin, hervorragende Tänzerin überdies, entwarf zu Monteverdi eine tänzerische Elegie, hochmusikalisch im Bewegungsfluss, abwechslungsreich in den Dreier- und Sechsergruppierungen. Sie verlässt das Ensemble - mit blendenden Referenzen. Elegisch im Ton auch "Wenn ich weine" des Schweizers Frei, der im Percussion-Teil mit scharf konturierten Körperhaltungen harte Spannungsakzente setzt. Emotion unmittelbar aus Dynamik und Phrasierung heraus, da liegt seine Stärke.

Der erste Preis in der Kategorie "Solo" ebenfalls geteilt an Corneliu Ganea, ausdrucksstarker Bildhauer seines Athleten-Körpers, und die wunderbare Gesine Eileen Moog. Wie ein "Nachtfalter" strebt sie dem Licht (von Tänzerhand gehaltene, mitbewegte Lampe) entgegen, magisch schön in ihrer metaphorischen Transformation.Die Moog, eine der heute so raren modernen Tänzerinnen, die aus der "inneren Bewegung" heraus tanzt. Ihre dramatische Sensibilität verlangt jetzt dringend nach erzählenden expressiven Stücken - oder nach einer Solo-Karriere.

Alle haben top getanzt

Für fetzig unterhaltsame Abwechslung war gesorgt durch Disco-Poppiges von Loni Landon und Farcen aus der Rabatt-Verkaufswelt und dem Alten(trottel)heim von Alessandro Pereira und Caroline Finn. Alle haben top getanzt und viel gelernt bei Licht, Ton und Bühnentechnik.

Apropos Choreographie-Wettbewerb: Warum haben Stadt und Freistaat nicht den Mumm dazu? Wo man doch künstlerisch so ehrgeizig ist.

Noch diesen Dienstag, Beginn um 20 Uhr.

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