Zum Fasching eine ungarische Operette

- "Es gibt keinen Zufall", lacht Marta Kosztolanyi, deren Karriere ganz anders verläuft, als sie es erwartet hat. Dass sie einmal in der "Zauberflöte" die erst Dame singen würde, dass sich Fiordiligi, Marzelline, Ilia und jetzt sogar die Gräfin Mariza anschließen würden, hätte die spät berufene Sängerin nie gedacht. Doch irgendwie hat sich alles so gefügt. Seit zwei Jahren ist sie festes Ensemblemitglied des Münchner Gärtnerplatztheaters.

<P>"Die richtige Zeit, der richtige Ort, die richtigen Partien und die richtigen Leute - alles stimmt." Deshalb traut sie sich jetzt auch hier die Titelrolle in Emmerich Ká´lmá´ns Operette "Gräfin Mariza" zu. Unter dem Dirigat von Andreas Kowalewitz ist an diesem Faschingssonntag Premiere.<BR><BR>Beim ersten Durchspielen am Klavier verliebte sich Marta Kosztolanyi sofort in Ká´lmá´ns Musik und entdeckte, dass das Stück dramaturgisch gut gebaut ist. Schließlich entkräftete auch noch Regisseur Josef E. Köpplinger alle Befürchtungen, als gebürtige Ungarin zu sehr in dieses Puszta-Klischee gepresst zu werden. "Er sagte mir von Anfang an, dass die Mariza doch eigentlich eine bulgarische Gräfin ist." Also braucht sie auch keinen breiten ungarischen Dialekt, denn den müsste sich die seit Jahren in Österreich, der Schweiz und Deutschland lebende Sängerin wohl erst wieder antrainieren. Im Gespräch jedenfalls hört man nicht, dass sie aus Pecs stammt. "Aber wer weiß, auf der Bühne ist das ja noch einmal etwas anderes", räumt sie vorsichtig ein. Und schwärmt von der intensiven Arbeit mit dem österreichischen Regisseur: "Da gab es keine ungenutzte Minute, er war wie ein Trainer in der Leichtathletik." Dass er sich bei Bedarf auch selbst ans Klavier setzen und die Sänger begleiten kann, hat nachhaltigen Eindruck gemacht.<BR><BR>"Eigentlich ist die Mariza keine ungarische, sondern eine bulgarische Gräfin."<BR>Marta Kosztolanyi</P><P>Zumal bei Marta Kostolanyi, die als kleines Mädchen zuhause auf einem alten Flügel sozusagen mit ihrer Ausbildung begann. Musikschule Pecs, später der berühmte Kinderchor des Rundfunks in Budapest und das dortige Konservatorium. Kosztolanyi studierte Chordirigieren, bis sie sich - mit 23 Jahren erst - doch für den Sologesang entschied und nach Wien zog. An der Musikhochschule landete sie bei Edith Mathis, die sie Jahre vorher in Budapest bei einem Liederabend gehört hatte. Mit ihr, die zu den Salzburger Festspiel-Stars der 70er-Jahre gehörte, studierte Kosztolanyi Lieder und Oratorien, aber auch die Pamina, mit der sie in der Kammeroper Budapest debütieren durfte. Ihr erstes festes Engagement trat sie in Bern an. Dort suchte man für eine zeitgenössische Oper eine junge Sängerin, die ein 13-jähriges Mädchen spielen konnte. Sie lacht: "Damals war ich immerhin schon dreißig."<BR><BR>Aus der Soubrette in Oper und (wenig) Operette, die anfangs sogar ins Koloraturfach (Olympia, Königin der Nacht) geschnuppert hatte, entwickelte sich rasch die Lyrische, die jetzt zur eigenen Überraschung im "Gräfinnenfach" angekommen ist und für die nächste Saison die Micaela in "Carmen" anpeilt. Kein Zufall.<BR><BR></P>

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