Fast atemlos

- Für das erste Konzert im neuen Jahr setzten die Münchner Philharmoniker sozusagen auf den Gleichklang einer Epoche und konzentrierten sich gemeinsam mit ihrem Generalmusikdirektor Christian Thielemann in der Philharmonie auf die Symphonie Nr. 3 in a-moll op. 56, die "Schottische", von Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schuberts "Große" C-Dur Symphonie, die Nr. 8 D 944. Beide Werke verbindet, dass Robert Schumann 1838, zehn Jahre nach Schuberts Tod, in Wien die C-Dur Symphonie bei Schuberts Bruder Ferdinand entdeckte und das Werk anschließend seinem Freund Felix Mendelssohn Bartholdy nach Leipzig zur Uraufführung mit dem Gewandhausorchester empfahl. Auch die "Schottische" wurde im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt.

Ganz im Stile Mendelssohns, der in der "Schottischen" die einzelnen Sätze ohne Pause aufeinander folgen lassen wollte, gestaltete auch Thielemann die Satzreihung. Fast atemlos fand so der Übergang vom Eröffnungssatz in das Vivace non troppo statt. Nebel und Schmerz durchziehen Mendelssohns musikalische Landschaftsmalerei, doch Thielemann schien darauf gar nicht eingehen zu wollen, sondern präsentierte die Symphonie mit schwungvoll-temporeichem, genüsslich spielerischem Dirigat. Zwar ließ er Freiraum für die transparente filigrane Instrumentation, doch letztlich stand unterkühlte Sachlichkeit vor Sentimentalität und Tiefgang.

Auch bei Schubert setzte Thielemann auf ein schlankes Klangbild, begegnete mit seinen Musikern der rhythmischen Kraft weitgehend mit flotten Tempi. Gedanken an verzehrende Innerlichkeit ließ er im Andante con moto (2. Satz) gar nicht erst aufkommen. Glühende Intensität und differenzierten Spannungsreichtum hätte Schubert sicher zu goutieren gewusst, zumal die Münchner Philharmoniker unter Thielemann zunehmend an Vitalität und Profil gewinnen.

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