Fast das Gleichgewicht verloren

- Die Bezeichnung "Academie" im Orchester mitzuführen, muss nicht unbedingt Hinweis auf die Musizierweise sein. Im Falle der 1993 gegründeten flämischen "Beethoven Academie", deren Ziel die Wiedergabe eines möglichst authentischen Klangbildes spätklassischer und frühromantischer Werke ist, liegt jedoch die Lehrer-Schüler Assoziation nahe, zumindest beim Konzert in der Münchner Philharmonie.

<P>Der künstlerische Leiter der "Academie", Jan Caeyers, agierte so selbstdarstellerisch und überengagiert, dass die Leistung des Orchesters verblasste. Das Ensemble verfügt über eine transparente, schnörkellose Spielweise. Bei Beethovens posenreich dirigierter "Coriolan"-Ouvertüre c-moll op. 62 drohte Caeyers mehrmals das Gleichgewicht zu verlieren. Darunter litt die Differenziertheit des Stückes. In den beiden nachfolgenden Beethovenschen Klavierkonzerten Nr. 4 G-Dur op. 58 und Nr. 5 Es-Dur op. 73 ließ Caeyers seinem Temperament weiterhin freien Lauf.</P><P>Wenig Sensibilität für den Pianisten</P><P>Durch sein Gehabe drängte er den österreichischen Pianisten Stefan Vladar manchmal in eine unscheinbare Schülerposition, zumindest ließ er wenig Sensibilität und Distanz zum Solisten erkennen. Stefan Vladar deutete den "dolce" Solo-Beginn des G-Dur Klavierkonzertes nicht expressiv-tiefschürfend, sondern spielte mit eher süßlicher, poetischer Tonfärbung. Ausdrucksstark gelang ihm die Solokadenz im ersten Satz. Im 5. Klavierkonzert konnte sich Vladar, der seine pianistischen Qualitäten nie auf Kosten effekthascherischen Spiels preisgibt, besser behaupten. Beide Konzerte wären angewiesen auf das ständige Korrespondieren von Orchester und Solopart. Trost für das Publikum waren Vladars verträumtes, leicht perlendes Spiel im stimmungsreichen zweiten Satz und sein brillantes Finale.</P>

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