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Fast ohne Wagner

- Ein "Parzival" fast ohne Wagner, getanzt zur minimalistischen Orchestermusik des amerikanischen Avantgardisten John Adams: John Neumeier, Choreograph und Intendant des viel gelobten "Hamburg Ballett", ist mit seinem neuen Werk ein ebenso verstörender wie großer Wurf gelungen. "Parzival - Episoden und Echos" ist eine Sammlung mythischer Episoden, die sich detailgetreu an den mittelalterlichen Epen des Wolfram von Eschenbach und Chrétien de Troyes entlang hangelt.

Ein intellektuelles Ausloten alter Sagen mit Blick auf die ewig modernen menschlichen Probleme. Die Uraufführung im Baden-Badener Festspielhaus wurde am Wochenende einhellig bejubelt.

Neumeiers "Parzival" hat tief liegende religiöse Dimensionen. Es geht um Erlösung, Liebe im erotischen Sinne ebenso wie um Nächstenliebe. Dabei fragt der 64-jährige Choreograph immer danach, "was die Legende mit dem Jetzt zu tun hat". Das Werk ist in zwei Teile gegliedert: Die Episoden schildern, ziemlich getreu den mittelalterlichen Vorlagen, den Auszug des naiven Möchtegernritters in die weite Welt, seine Erziehung am Hofe von König Artus und das Verweigern von Mitleid. Der zweite Teil, "Echos", bringt dann eine Art Läuterung des Helden, die Überwindung des militärischen Männlichkeitswahns, das Eintauchen in religiös geprägtes Mitleid.

Neumeier gelingen dabei immer wieder überraschende, einprägsame Bilder, bisweilen hart an der Kitschgrenze, immer aber von einem nie versiegenden Ideenreichtum. Der Abend bietet viel "Augenfutter": Im ästhetisch stilisierten Bühnenbild von Peter Schmidt gibt es eine Reihe von perfekt dargebotenen, großen Ensembles zu bestaunen, etwa der Hofdamen in ihren gold- und silbergleißenden Kostümen. Es gibt harte, temporeiche Kampfszenen und immer wieder anrührende Soli und Zweierbegegnungen. Für die Kostüme und die ausgeklügelte Lichtregie hat John Neumeier persönlich gesorgt.

Die Musik von John Adams ist Geschmacksache. Die rhythmischen Versatzstücke, die immergleichen simplen harmonischen Wendungen, entfalten für viele Hörer einen unwiderstehlichen Sog. Für die Staatsphilharmonie Rheinland- Pfalz stellen die tückischen Partituren jedenfalls keine technischen Hürden dar. Und an zwei entscheidenden Stellen erklingt dann doch noch Wagners "Parsifal"-Vorspiel: Für die musikalische Erlösung ist eben immer noch der Bayreuther Meister zuständig.

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