Fast schon fetzig

- Natürlich nicht wegen der Papstwahl ist "Italien" das Schwerpunktthema des Münchener Kammerorchesters in dieser Saison. Erstmals stand, entgegen der sonst üblichen Programmkonzeption, das jüngste Konzert im Prinzregententheater ausschließlich im Zeichen der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.

<P>Umrahmt von Haydns Sinfonie Nr. 46 und Boccherinis d-moll-Sinfonie op. 12 Nr. 4 erklangen Arien aus Händels Oratorium "Il trionfo del tempo e del disinganno" sowie aus Vivaldis Opern "La verità` in cimento" und "Orlando finto pazzo". Als Gastdirigent hatte man den Leiter des Ensembles Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini, verpflichtet. Ein Barockexperte also, ebenso wie die italienische Sopranistin Gemma Bertagnolli.</P><P>Unter Antoninis engagiertem, körperbetontem Dirigat gab sich das für seine Dynamik und Spielfrische bekannte Orchester noch eine Spur vitaler und temperamentvoller als gewöhnlich, fast schon fetzig. Instrumental in jeder Hinsicht auf absolut hohem Niveau. Für Antonini schien es an diesem Abend ein leichtes, dem vorzüglichen Ensemble die vielfarbigen Facetten aller vier Werke mit Glanz und Feuer zu entlocken.</P><P>Für die Präsentation der effektvollen Händel- und Vivaldi-Arien mit ihren verschiedenenartigsten Gefühlsausbrüchen bot Gemma Bertagnolli nicht nur stimmlich viel Ausdruckkraft auf. Betont lebhaft, nicht frei von Übertreibungen, beispielsweise heftig mit den Hüften schwingend und stets koketter Mimik, präsentierte sie gewandt und mit gestalterischem Schwung die virtuosen Stücke. </P><P>Weniger wäre hier allerdings oft mehr gewesen. Nicht ganz intonationssicher und enttäuschend sang sie beispielsweise Händels Bravour-Arie "Lascia la spina". Doch hingerissen von ihrer Präsentationskunst feierte sie das Publikum frenetisch.</P>

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