Faszination Gesicht

- Eine "veritable Theorie des Porträts" gebe es nicht, schreibt Autor Andreas Beyer im Vorwort zu seinem reich illustrierten Wälzer "Das Porträt in der Malerei" (Hirmer Verlag, München; 413 Seiten, 132 Euro). Das Bildnis von real existierenden Personen, nicht von Göttern, Helden und Heiligen, kannte schon immer Boom und Baisse. Mal interessierte sich eine Kultur für eine wirklichkeitsgetreue Selbstdarstellung, mal lehnte sie das Sich-ein-Bildnis-machen ab.

<P>Beyer sucht nach den Porträt/Malerei-Wurzeln in der Antike, entdeckt im Mittelalter die ersten Ausformungen konkreter Porträts, um in der Neuzeit das Bildnis der unverwechselbaren Person zu feiern. Es sind vor allem die Adeligen, die in Farbe gebannt wurden _ zunächst nur im Profil. Erst wenn sich die Abgebildeten dem Betrachter zuwenden, kann das Porträt seine ganze Anziehungskraft entfalten. Die Faszination Gesicht wussten dabei schon die Maler des 15. </P><P>Jahrhunderts zu nutzen. Welches die Geschichten sind, die diese Antlitze von schönen Frauen und mächtigen Männern erzählen, bleibt dem überlassen, der mit den Augen seiner eigenen Zeit auf diese Mitmenschen der Vergangenheit schaut. Wie viel Härte und Arroganz aus den Zügen dieser Adeligen sprechen, bemerkt man vor allem im Kontrast zu Gesichtern der Madonnen oder Heiligen. Erst sehr viel später, im 19. Jahrhundert, versucht die Kunst, auch in den Gesichtern Gewalt und Geld zu relativieren. Zugleich dominiert die Malerei das Antlitz, das jetzt ihr zu Diensten ist _ und nicht umgekehrt.sida<BR><BR></P>

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