Die Faszination des Spirituellen

- Papst Paul Johannes II. stirbt, und die Gläubigen fordern mit dem Ruf "Santo Subito" seine Heiligsprechung. Und nach der Seligsprechung der Therese von Konnersreuth erwartet die kleine Stadt in der Oberpfalz einen Pilgeransturm. Direkt auf gesellschaftliche Phänomene zu reagieren, haben sich die Münchner Kammerspiele schon seit langem auf die Fahnen geschrieben. Die "Renaissance des Glaubens", die neue Faszination des Spirituellen sind Themen der Reihe "Wer's glaubt, wird selig". Im Neuen Haus ging soeben "Santo Subito 2" über die Bühne mit "Karol Woijtila" und "Resl von Konnersreuth".

<P>Die Heiligen der ersten "Santo"-Runde, Maria Magdalena und Antonius, hatten den (Inszenierungs-)Vorteil der Geschichtlichkeit. Bei Papst Paul Johannes II., so nah an uns dran, wird es doch heikler. Mag sein, dass Regisseur Thomas Zielinski sich deshalb ein bisschen verspannt hat. Das groß projizierte Foto des Papstes, der seinen Attentäter Ali Agea besucht, ist zwar eindeutiger Hinweis auf ein nach der Bergpredigt gelebtes Christentum - die in Matthäus 5,44 geforderte Feindesliebe.<BR><BR>Es ist auch schön, wie Daphne Wagner - eine Schauspielerin, die mit den Jahren immer mehr an Charisma gewinnt - als hochaufgeschmückte Nonne Jesu Lehren an uns hinraunt. Und Profis natürlich auch Peter Brombacher und Oliver Mallison an zwei Stehpulten. Aber nur eine Texte-Collage - mal spricht Orest, mal St. Just, jetzt Nick-Cave-Singsang, dann Eminem-Rap -, da puzzelt man sich mühsam gerade mal die Gegenposition "Zahn um Zahn" zusammen.<BR><BR>Mehr Sinnlichkeit, mehr Theater in "Konnersreuth". Tobias Bühlmann, ganz dicht am Medienrummel um die leidende und wundertätige Bauernmagd Therese Neumann, zieht die Geschichte als aktuelles TV-Interview auf. Jochen Noch schnoddert da die Karikatur des trendig-hektischen Moderators auf die Bretter. Und hat in Caroline Ebner einen so wunderbaren Gegenpart.<BR><BR>Die Ebner spielt wirklich beides: erst ist sie ganz die Bodenständig-Bescheidene, fällt in die "Kreuzweg-Schauung"-Trance. Dann steigt sie um in die Rolle des Interviewers, fast chaplinesk, und stellt nun ein paar echt hinterfragende Fragen - so in Richtung "Wunderheilung oder Humbug". Bühlmann scheint dazu nicht eindeutig Stellung zu beziehen. Aber die auf großer Leinwand eingespielten Interviews mit Resl-überzeugten Konnersreuthern sprechen Bände. . .<BR></P><P><BR> </P>

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