Faszinierende Energie

München - Einmal im Jahr veranstaltet der Bayerische Rundfunk mit seinem Chor, Musikern seines Symphonieorchesters und dessen Chefdirigenten Mariss Jansons einen Probentag und ein Konzert für Nachwuchsmusiker.

"Übertreiben Sie das Pizzicato. Imitieren Sie das Schlagzeug. Beißen, beißen\xC2

", fordert Mariss Jansons und schnappt dazu mit der Hand. Die jungen Musiker sind ganz Auge und Ohr, denn viele von ihnen erleben den Maestro das erste Mal.

Auch der 17-jährige Dominik Kurz aus Prien, der seit Oktober 2007 mit seiner Tuba im Bayerischen Landesjugendorchester mitspielt. Großvater und Vater blasen die Tuba, und so rutschte auch der Junior hinein und landete an der für ihre Bläser bekannten Graussauer Musikschule. Vor der Probe gibt sich der Bursche noch ganz cool und meint: "Man braucht keinen großen Dirigenten, um seinen Weg zu finden. Am meisten lerne ich, wenn ich mit meinem Lehrer alleine arbeite." Doch nach dem ersten Kontakt bei Sätzen aus Orffs "Carmina burana" gesteht er mit hochroten Wangen: "Es war faszinierend, die Energie von Jansons mitzuerleben."

Miterleben durften sie beim diesjährigen Probentag, den am Wochenende ein gemeinsames Konzert im Münchner Herkulessaal krönte, die Musiker des Bayerischen Landesjugendorchesters, des Symphonieorchesters der Münchner Musikhochschule, der Akademie des BR-Symphonieorchesters und die Sänger des Madrigalchors der Hochschule. Neben den "Carmina"-Ausschnitten, die Musiker aller drei Orchester, Madrigalchor und den Chor des Bayerischen Rundfunks vereinte, präsentierten sich die Orchester auch einzeln mit Werken von Britten (Akademie), Bernstein (Hochschulorchester und -Chor) und von Dukas (die Landesjugendorchester).

Als richtungweisende "Leuchttürme" ragen auf dem Podium hier und dort gestandene BR-Symphoniker aus dem jugendlichen Großaufgebot. Konzertmeister Florian Sonnleitner etwa, der die ersten Geigen anführt und umgeben von lauter hübschen, jungen Mädchen strahlt: "So ein Wochenende ist mein Jungbrunnen." Dass er nicht nur als Zugpferd fungiert, sondern auch aufmunterndes Lob spendet, verrät nach der Probe Caroline Unger, die am zweiten Pult hinter ihm sitzt. Die 19-jährige Starnbergerin, die gerade Abi macht und Schulmusik studieren möchte, gehört seit zwei Jahren zum Bayerischen Landesjugendorchester. Dessen Geschäftsführer, Andreas Burger, entdeckte sie beim Konzert der Musikschule in Starnberg. Sie berichtet von den wechselnden jungen Dirigenten - Gabriel Feltz, Joseph Wolfe, Pietari Inkinen - die dreimal jährlich die zehntägigen Probenphasen mit dem Jugendorchester absolvieren. "Es ist spannend, die unterschiedlichen Ansätze, die jeweils eigene Handschrift zu erleben." Auch von Mariss Jansons ist die junge Geigerin beeindruckt: "Er hat sehr konkrete Vorstellungen und fordert uns. Er ist wirklich eine Autorität."

"Er hat schon eine wahnsinnige Aura, und es ist interessant, das einmal mitzuerleben", gesteht auch Markus Riepertinger aus Frasdorf. Der 19-Jährige studiert Trompete am Innsbrucker Konservatorium und kommt ebenfalls aus der Grassauer Talentschmiede. "Für uns Trompeter gibt's im Zauberlehrling ein paar heikle Stellen, dennoch bin ich nicht übermäßig aufgeregt. Ein bisserl gehört aber dazu."

Mariss Jansons wird nicht müde an diesem Elf-Stunden-Tag. "Ich bin besorgt um die Zukunft der klassischen Musik und will etwas dafür tun, dass die Jugend die wahren Werte des Lebens versteht." Er hofft, dass die Jungspunde auf dem Podium ein bisschen Inspiration abbekommen und "vielleicht können sie in der kurzen Zeit doch etwas lernen, von mir, von den Musikern und Chorsängern".

Jansons schwärmt vom großen Interesse beim "Tag der offenen Tür" und will mit all diesen Aktivitäten das junge Publikum für die Musik fangen. "Wir dürfen nicht snobistisch sein. Wenn die Jungen nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen gehen." So schwebt ihm auch ein Projekt (Proben- und Konzertbesuche mit anschließenden Gesprächen) mit den Universitäten vor, um die 18- bis 24-Jährigen zu gewinnen. Aber zunächst einmal freut sich Mariss Jansons: "Ein schönes Konzert, das ist die beste Bezahlung."

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