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Faszinierendes Timbre

- Eine Bibliothek der Stimmen baut der Hörverlag auf. Seit Jahren sammelt er den Originalton von Dichtern. Literatur kann also durch Selbstlesen, den Vortrag von Schauspielern und durch Klang und Sprechduktus der Urheber erlebt werden. Elias Canetti begegnet uns, Thomas Mann oder Paul Celan. Mit ihm verbunden war eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten: Ingeborg Bachmann (1926-1973). Ihr widmet der Hörverlag eine Edition, deren zweiter Teil nun erschienen ist.

Die vier CDs umfassen unter dem Titel "Anrufung des Großen Bären" Gedichte, Erzählungen und Vorlesungen aus den Jahren 1956 bis 1961. Mit dem gleichnamigen Lyrikband hatte Bachmann 1956 ihren Durchbruch. Ein Jahr später trug sie im Norddeutschen Rundfunk fast alle Gedichte vor: ein eigenartiges Erlebnis. Sie ist keine gute Sprecherin, schon gar nicht für Verse. Die weichen Ts machen den "Dod" schlichtweg komisch. Und doch fasziniert diese fast monotone Stimme durch ein einmaliges Timbre. Es ist sehr weich und sanft, manchmal fast ätherisch. Stets ist der Klang brüchig, was den Hörer in dauernde Anspannung versetzt.

Die fördert natürlich die Aufnahme dieser mit tiefen, oft quälenden Gefühlen aufgeladenen Gedichte. Staunen machen Bachmanns Bilder - der kaum eine andere Lyrik stand zu halten vermag -, ihre radikale Schöpferkraft. Die kristalline Härte, umhüllt vom zarten Ton, zeigt sich auch in den Erzählungen "Undine geht", "Ein Wildermuth", "Alles", in der Rede zum Hörspielpreis der Kriegsblinden (1959) sowie in den Frankfurter Poetikvorlesungen (1959/60). Ohne Schwäche zuzulassen, bohrt sich Bachmann in das Sein des Menschen, analysiert literarisch oder theoretisch als versierte Psychologin und Philosophin.

Ingeborg Bachmann: "Anrufung des Großen Bären" (Der Hörverlag).

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