Feilschen um Kunst, Moral und Markt

- Geld und Kunst sind einander bekanntlich suspekt. Schnell gesellt sich zur Kunst das Wort brotlos, und ist sie es nicht, dann gilt sie als kommerzialisiert. Nähert sich aber das Geld oder derjenige, der es verdient, der Kunst, dann ist er vom Verdacht nicht frei, sich nur mit ihr schmücken zu wollen.

Trotz des gespannten Verhältnisses setzten sich die Münchner Kammerspiele bei ihrem Themenwochenende "Du sollst nicht sparen!" der Konfrontation mit dem Geld aus: Sie feilschten um den Marktwert von Kunst und Moral, Fantasie und Anarchie. Das Theater jedenfalls stand damit hoch im Kurs, waren doch beide Tage ausverkauft, und es drängte sich das bunt gemischte Publikum in Werkstätten und Gängen.

Variationen zu Zola und echte Börsen-Zocker

Sogar das Parkett des Schauspielhauses war fast voll besetzt, als zum Auftakt der Künstler Georg Zoche mittels Power-Point-Präsentation seine Idee der Vereinten Transnationalen Republiken in das Bühnenportal projizierte. Der smarte Herr mit der verdächtigen Langhaarfrisur machte die versammelten Individuen darauf aufmerksam, dass ihre Interessen nur innerhalb einer Nation, nicht aber darüber hinaus im globalen Geschehen vertreten würden, und fordert daher neue Machtstrukturen. "Moral ist gut, Geld ist möglicherweise besser", so das Motto, und seine direkte Demokratie ohne Parteien fing bereits im Foyer an: Dort konnte man sich einbürgern lassen und musste bei der Bank Euro in so genannte Payola tauschen, wollte man nicht dürsten. Monetärer Ausnahmezustand im Theater.

Von der Bank ist es zu den Bänken nicht weit, und so durfte unter mehreren Installationen etwa der Münchner Künstler Martin Wöhrl seine aus gefundenen Materialien gefertigten Sitzgelegenheiten anbieten. Von ähnlich beliebig anmutender Aussagekraft wie die Bank-Bänke waren die Eigenproduktionen der Münchner Kammerspiele, kleine Variationen über Emile Zolas Roman "Das Geld", die ein wenig Vorwissen erforderten. Da ließ Roger Vontobel die Geliebte des Romanhelden Saccard in der Schlosserei unglücklich von der Decke baumeln und seufzen. Peter Kastenmüller gelangen haarsträubende Szenen mit Jochen Noch und Stephan Zinner, die die Erpressung Saccards mit seiner unschönen Vergangenheit darstellten.

Spannung und Lerneffekte brachte dagegen etwa Chris Kondeks Gast-Börsenspiel "Dead cat bounce": Live-Zocken am New York Stock Exchange. Macht und Faszination des Geldes werden doch am besten fühlbar, wenn es real gewonnen oder verloren wird. Spätestens bei diesem Programmpunkt, aber auch im gesamten Treiben der zwei Tage durfte sich der temporäre Bürger der Transnationalen Republik Kammerspiele trotz aller geistigen Anreize als Einzelner doch so recht hilflos fühlen auf diesem Weltmarkt, der an der Maximilianstraße einmal ganz aus der Nähe zu besichtigen war.

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