Feine Luftwesen

- Fernab der ausgetretenen Pfade suchen das Münchener Kammerorchester und Christoph Poppen immer wieder nach Wegen, das Publikum mit Neuem und Altem zu überraschen. Beim fünften Abonnementkonzert am Donnerstagabend im Münchner Prinzregententheater gelang das wieder einmal perfekt.

<P>Denn nicht nur das Neue - eine Münchner Erstaufführung von Mauricio Kagel und ein Werk von Salvatore Sciarrino - sondern auch das Alte von Respighi und Cherubini gehört nicht zum gängigen Repertoire. So gesehen, war es zumindest interessant, wenn auch nicht wirklich spannend, Cherubinis Streicher-Sinfonie in C-Dur (seine Bearbeitung des zweiten Streichquartetts) einmal live zu hören. Beethovens enthusiastisches Urteil mochte man, nach dem aufgeplusterten Quartett wenigstens, nicht teilen.<BR><BR>Flötist Emmanuel Pahud<BR><BR>Obwohl Poppen und sein Orchester mit Elan ans Werk gingen, blieb die Gesamtwirkung fad, gefielen noch am besten die solistischen Stellen. Besseren Eindruck machten Respighis Streichorchester-Bearbeitungen von Tänzen und Arien aus dem 16. Jahrhundert. Das Kammerorchester erfüllte sie mit Eleganz und prallem Leben.<BR>Im Zentrum des musikalischen Geschehens stand zweifellos die Moderne: Emmanuel Pahud fungierte als ihr fulminanter Wegbereiter. In Kagels "Das Konzert", einem einsätzigen Werk, das häufig Tempo und Stimmung wechselt,  griff  er gleich zu drei Flöten, wobei er mit der Piccoloflöte nur den Schlusspunkt setzte. Natürlich verlangt Kagel rauere Töne, auch Blasgeräusche, doch gönnt er dem Solisten reichlich Virtuoses. Darüber kommen allerdings die mit Harfe und Schlagzeug aufgepeppten Streicher nicht zu kurz. Faszinierend gelangen die bis in eine schrille Dramatik vorpreschenden Steigerungen, die die Flöte als hochexpressives Instrument outeten.<BR><BR>Sciarrinos Rondo wirkte wie ein Luftgebilde - zerbrechlich, mit zarten Blasgeräuschen durchsetzt. Pahud brillierte und seine Partner sekundierten souverän. </P>

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