Feine spätbarocke Sprache

- München, um 1800. In der Materialsammlung zu seiner "Allgemeinen baierischen Kunstgeschichte" vermerkt der Kunsthändler Felix Halm mit säuberlicher Tintenschrift: "Er ward ein starker Historien Mahler in Oel= und frescofarben. Seine geistlichen Erfindungen sind sehr andächtig, und sittsam, und seine färbung ist lieblich." Die Rede ist von Johann Georg Bergmüller, Maler, Zeichner, Freskant, Kupferstecher, erst Kunstschüler in München, dann Akademiedirektor in Augsburg, damals renommiert und heute zu Unrecht vernachlässigt. In der voluminösen Halmschen Sammlung "Baierischer Original-Zeichnungen" finden sich denn auch 53 sorgfältige Entwürfe aus der so lebendig geführten Feder Bergmüllers. Halm erwarb sie, fixierte sie auf großformatigem blauen Karton und adelte sie: durch einen Goldrand.

"Johann Georg Bergmüller (1688-1762) - Die Zeichnungen" überschreibt die Staatliche Graphische Sammlung ihre Ausstellung in der Neuen Pinakothek , mit der sie erstmals dem Gesamtwerk des vielseitigen Augsburger Künstlers huldigt und dabei auch aus dem Nachlass seines Sammlers schöpft. Bergmüller, in Türkheim geboren, ging auf Wunsch und Kosten von Herzog Maximilian Philipp von Bayern in München bei Andreas Wolff in die Lehre. Doch seine zentrale Wirkungsstätte sollte Augsburg werden. Die Stadt wusste, welchen Gefallen sie sich mit einer Sondererlaubnis tat: Durch Bergmüller und seine Schüler - Johann Evangelist Holzer oder Johann Georg Wolcker - erwarb sie hohen kunsthandwerklichen Rang.<BR><BR>Die 73 ausgestellten Arbeiten (mehr als die Hälfte des gesamten Werks, von dem sich ein Drittel in Münchner Besitz befindet) enthalten Vorlagen für Kupferstiche, Entwürfe für Kirchenfresken, etwa in Grafrath oder Steingaden, für die Ausgestaltung eines Hochaltars oder die Deckenmalerei der Bibliothek von Kloster Banz. Bergmüllers Doppelentwurf für die Fassade des Stuttgarter Ständehauses - in der Ausstellung durch vier Detailskizzen ergänzt - spricht die gleiche feine spätbarocke Sprache wie seine lieblichen Mariendarstellungen, seine friedlichen Tableaus.<BR><BR>Das 25-jährige Projekt des Sammlers Halm, die erste "Allgemeine baierische Kunstgeschichte", brach 1810 ab, als Felix Joseph Lipowsky ihm zuvorkam - mit der Publikation starb auch Halm selbst. Die Fresken des Künstlers Bergmüller verschwanden vielerorts: durch Wettereinfluss, Demolierung, Übermalung. Doch was von beiden, Künstler und Sammler, bleibt, sind ihre großartigen Pläne. Ihr Ideenschatz ist nun wieder vereint.<BR><P>Bis 17. April (Do-Mo 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr). Katalog: 23 Euro.<BR></P>

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