Feinste Klangkultur

- André Previn setzte für sein Gastdirigat bei den Münchner Philharmonikern drei der raffiniertesten, abgefeimtesten Orchesterkompositionen des 20. Jahrhunderts aufs Programm: Ravels seidig-erlesene "Tombeau de Couperin"-Suite, Strauss' riesigen "Zarathustra" und das Violinkonzert des halb vergessenen, mährisch-amerikanischen Tonsetzers Erich Wolfgang Korngold.

<P>Für dieses Konzert, das immerhin von Jascha Heifetz uraufgeführt wurde und von Geigern wie Gil Shaham auf CD vorliegt, engagierte man nun Previns Ehefrau Anne-Sophie Mutter - und sorgte wohl dadurch für eine restlos ausverkaufte Philharmonie. Ihr Können ist noch immer erstaunlich: ein großer, raumfüllender Ton, lupenreine Intonation in den hohen Lagen und kontrollierte, reflexhafte Bogentechnik.</P><P>Gerade im rustikalen Finale, das vital und temporeich vorüberpolterte, konnte man sich an dieser rein physischen Qualität ergötzen. In der Romance dagegen, die ja gewaltiges sentimentales Potenzial in sich birgt, konnte Mutters allzu nachdrückliches, Portamento-seliges Spiel nicht vollkommen überzeugen - die rührenden thematischen Einfälle klangen dann doch eine Spur zu schmachtend, zu filmmusikhaft (im schlechten Sinne), um wirklich bewegen zu können.<BR>Ravels außerordentlich feinstoffliche "Tombeau"-Sätze, die das Programm eröffneten, wurden von Previn und den Münchner Philharmonikern technisch perfekt, hell und flüssig realisiert.</P><P>Auch in Strauss' abschließendem "Also sprach Zarathustra" bot das Orchester - unter Previns eleganter, gleichsam "kalligraphischer" Leitung - feinste Klangkultur. Dass die gefürchteten Bläserstellen am Schluss etwas unscharf kamen, störte unter solch luxuriösen Umständen auch nicht weiter . . .<BR><BR></P>

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