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Michaela Melián, bildende Künstlerin und Musikerin.

Der weibliche Cyborg

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Mitbegründerin der Band Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.): Der Münchner Kunstbau des Lenbachhauses zeigt in der Schau „Michaela Melián: Electric Ladyland“ Installationen aus Bild, Klang und Geschichte

München - Dass Matthias Mühling, Chef des Lenbachhauses, auch ein inniges Verhältnis zur Musik hat, wissen wir seit 2011. Klang-Legende Kraftwerk bespielte damals den Münchner Kunstbau. Kein Wunder also, dass dem Direktor die Münchnerin Michaela Melián (Jahrgang 1956) gerade recht kam, zumal Wolfgang Tillmans kürzlich einen Raum für Studiomusik im Museum eingerichtet hatte (wir berichteten). Melián ist prädestiniert, um gattungsübergreifende Kunst vorzustellen. Sie arbeitet nicht nur als bildende Künstlerin, sondern ist studierte Cellistin und obendrein Seiltänzerin zwischen Postpunk und Techno. In dieser Funktion gehört sie seit 1980 zur Band Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.). Außerdem sammelt sie gerne und forscht akribisch in der Geschichte.

Mit der Schau „Michaela Melián: Electric Ladyland“ bekommt sie die erste große Einzelausstellung in ihrer Heimatstadt. Zu sehen sind zum einen Installationen aus den vergangenen zehn Jahren, zum anderen ein extra für den Kunstbau angefertigtes Werk namens „Electric Ladyland“. Ein Titel, der Jimi Hendrix’ gleichnamigen Albumtitel von 1968 aufpickt, um dann doch Jacques Offenbach zu huldigen. Verfremdet wabern Olympia-Motive aus „Hoffmanns Erzählungen“ über der gesamten Installation, die die Hälfte der Halle einnimmt. Als Besucher erlebt man eine Art Zauberwald in Weiß, etwas Schwarz, Silber und Glas. Die Wände sind komplett bedeckt mit Zeichnungen, auf denen wir die elektrischen Damen in einem Dschungel aus Laboren und Maschinenräumen, Roboterteilen und Verschaltungen, DNA-Locken und Molekülketten entdecken. Wahrscheinlich ist Hoffmanns Automat Olimpia (sic!) aus dem „Sandmann“ dabei. Die kennen wir nur vom Lesen oder Opern-Hören. Die Maschinen-Doppelgängerin aus „Metropolis“ von 1927 oder weibliche Cyborgs aus heutigen Filmen sind uns optisch da schon geläufiger. Daher fällt es nicht schwer, von der Eleganz des Machbaren in Meliáns Konzept zum gefährlichen Wirrwarr der Männer-Begierden zu gelangen: zur verfügbaren Frau. In der Kunst wird die aber meist verknüpft mit dem Femme-fatale-Topos – und da wird’s richtig gefährlich.

Weniger leicht flutschen einige andere Installationen. „In a Mist“ (2014/ 15) sind freie Glasbilder (erstellt mit der Mayer’schen Hofkunstanstalt), die Fotos heraufdämmern lassen, Ornamente und spiralige Konstruktionen bieten. Das ist fast so zauberschön wie „Lunapark“ (2012) mit seinen speziell ausgeleuchteten Gläsern. Aber da sich die Bezüge und Geschichten dahinter nicht erschließen, müsste Michaela Melián eigentlich dazu sprechen. Dass sie solch eine Hör-Sicht beherrscht, beweist sie in der Arbeit „Föhrenwald“ (2007). 80 projizierte, schlichte Zeichnungen (Weiß auf Schwarz), die Häuser aus der Siedlung zeigen, sind unterlegt mit Lesungen. Nach und nach wird die Geschichte des Lagers Föhrenwald bei Wolfratshausen durch authentische Erlebnisberichte deutlich: von der Enteignung der Grundstücke 1938 durch die Nazis über das Zwangsarbeiterlager bis zu der Nachkriegs-Siedlung für Überlebende des Judenmords, die auf die Ausreise warteten. Die bewegende Kraft dieses Werks ist einzig und korrespondiert mit den berühmt gewordenen „Memory Loops“, die 2010 überall in der Stadt zu hören waren und den Wettbewerb „Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens“ gewonnen hatten.

Aber Melián will nicht am Dokumentarischen kleben. Deswegen gibt es die poetische Arbeit „Speicher“ (2008), die gemütlichen Hängesessel, die einen mit Melián-Musik freundlich beschallen, oder das runde Lotterbett, über dem „Andante Calmo“ (2014/ 15) klingt, frei nach Puccinis „La Bohème“.

Bis 12. Juni,

Di.–So. 10–18 Uhr; Begleitpublikation mit Texten, CD und Schallplatte: 10 Euro.

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