US-Präsident Trump droht mit totaler Vernichtung Nordkoreas

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Fenster zur Welt

- "Es war ein so schöner Tag - Jerry konnte durchs Fensterglas die Nieten am Flugzeugrumpf zählen. Ganz aufgeregt drehte er sich zu mir um - ,Look Dad! You see the plane? - aber meine Hände gehorchten mir schon nicht mehr." Carthew Yorsten, geschiedener Immobilienmakler aus Texas, geht mit seinen Söhnen Jerry und David Frühstücken: am 11. September 2001 - ins Restaurant "Windows on the World".

<P>Es liegt im Dachgeschoss des Nordturms des World Trade Centers. Die Buben hatten sich den Ausflug so sehr gewünscht, und der Vater, der viel lieber lang geschlafen hätte, gab nach. Um halb neun fahren die drei hinauf zu den "Fenstern zur Welt". "Da hüpft natürlich a posteriori mein Ex-Werber-Herz: Es hätte einen grandiosen Namen für diesen Ort gegeben, schlicht und poetisch, eine erhabene Marke: ,End of the World."<BR><BR>Frédéric Beigbeder hat für seinen Roman über das Attentat aufs WTC zwei Erzähler gewählt: Carthew Yorsten, eines der Opfer dieser ungeheuerlichen Tat, rekapituliert sein Leben und schildert in einer fiktiven Live-Situation die Katastrophe minutengenau von 8.46 bis 10.21 Uhr, vom ersten Schrecken über Fluchtversuche, Hoffnung auf Rettung aus der Luft bis zur Resignation: Er springt mit Jerry - der jüngere Sohn ist bereits erstickt - aus dem Fenster, bevor sie noch qualvoller als ohnehin sterben müssen. "Aber Sie haben nicht gesehen, wie jene, die sprangen, in Stücke gerissen wurden, Sie haben die Blutfontänen nicht gesehen und das mit Stahl und Plastik verschmolzene Fleisch." <BR><BR>Sinnleere einer geldgeilen Generation</P><P>Beigbeder selbst ist der andere Erzähler, der im Abstand von zwei Jahren über das Schreiben dieses Buchs reflektiert. Über das Verhältnis Frankreich-USA, über die Sinnleere der eigenen geld- und sexgeilen Generation, die keine Verantwortung übernehmen will, über rüden Kapitalismus und dumme Technikgläubigkeit. Der Autor Beigbeder verzahnt also die Ebenen des Erfundenen, der genauen Recherche inklusive authentischer Telefon-Zitate von Opfern und der essayistischen Nachdenklichkeit.<BR><BR>Der französische Schriftsteller des Jahrgangs 1965 war mit seinem Roman "39,90" (2001), einer frechen, süffig geschriebenen Abrechnung mit der Werbe-Branche, seiner eigenen, bekannt geworden. Als Reklamefritze war er damit erledigt. Heute ist er Programmchef eines Verlags und Literaturkritiker. Für "Windows on the World" hat Beigbeder die Provokationen abgelegt. Er versucht, möglichst ehrlich zu sein. Fängt alle Vorwürfe ab, indem er sie selbst thematisiert: von der Aussichtslosigkeit, derartiges Leid künstlerisch erfassen zu wollen, bis hin zur eigenen Autoren-Eitelkeit und Yuppie-Hohlheit. Carthew, ein oberflächlicher Unsympath, ist sein Alter Ego, das erst im Untergang zum Menschen reift. <BR>Der Tod macht die Zyniker knieweich, zwingt ihnen Gebete auf die Lippen. Zerrt ihnen die Ideologie von der Freiheit, von der egomanischen Freiheit, aus Gehirn und Seele. Es scheint, als wolle Beigbeder genau das für sich selbst lernen - durch die von ihm geschaffene Figur des amerikanischen Mannes und Vaters. Der Schriftsteller besucht das Restaurant "Ciel de Paris" im Tour Montparnasse mit seiner Tochter, sucht die Todesangst bei einem Concorde-Flug nach New York, forscht dort dem Schmerz dieser Stadt nach. Lässt, wenn auch selbst ungläubig, seinen Weltverbesserer-Freund - eine Regierung für den Globus - zu Wort kommen.<BR><BR>Als Autor ist er klug genug, trotz aller Reflexionen spannend und zugleich menschlich, durchaus auch sentimental zu erzählen: Eindreiviertel Stunden dauertes es vom Einschlag der Boeing in die Stockwerke 94 bis 98 des Nordturms bis zum Einsturz des Gebäudes. Die kurzen Ausflüge ins Pornografische wirken dabei krampfhaft aufgepfropft, sind wohl als fleischliche Verzweiflung im Angesicht des Todes gedacht. Selbst wenn es solche "Ausreißer" nicht gäbe, wäre "Windows on the World" dennoch kein großes Werk. Die gestalterische Potenz und Tiefe eines Kertész oder Gryphius, eines Celan oder Vonnegut hat Beigbeder nicht - und er nimmt sein Ego viel zu wichtig. Er hat jedoch einen lesenswerten "Gebrauchsroman" über ein sehr schweres Thema geschrieben. </P><P>Frédéric Beigbeder: "Windows on the World". Aus dem Französischen von Brigitte Große.<BR>Ullstein Verlag, München, Berlin. <BR>351 Seiten<BR>22 Euro. </P><P>Der Roman ist ab 1. März im Buchhandel erhältlich. <BR><BR>Am 30. März liest der Autor im Münchner Literaturhaus. Karten gibt es unter Telefon 089/ 29 19 34 27.<BR></P><P><BR><P>Das Buch über unseren Partner amazon.de bestellen: <BR> Frédéric Beigbeder: "Windows on the World". </P> </P>

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