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Ferdinand von Schirach bei seiner Lesung in München

Strafverteidiger liest in München

Ferdinand von Schirach: Keine weiteren Fragen

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München - Strafverteidiger und Autor Ferdinand von Schirach hat in München eine Lesung gegeben. Dabei entpuppte er sich als ein brillanter Anekdoten-Erzähler und schlagfertiger Gesprächspartner.

Ausgerechnet mit dem grobschlächtig-grantigen Schauspieler Josef Bierbichler hat Ferdinand von Schirach, der feine Herr Strafverteidiger, etwas gemeinsam: den Hass – auf den Literaturbetrieb. Bierbichler weigerte sich einst, bei einer gestelzten Kultur-Sendung auf einem Sofa mitten in der Prärie über sein Buch zu salbadern. Schirach ist Selbstdarstellung irgendwie auch zuwider – und doch ist er anders: Er stellte sich am Sonntag in den Münchner Kammerspielen, las aus seinem Roman „Tabu“ und nahm die Branche mit elegantem, stacheligem Humor auf den Arm.

Schirach, geboren 1964 in München, jetzt Anwalt in Berlin, hat sich selbst hineinkatapultiert in die Welt der Kritiker und Autoren – mit seinen Geschichten über (fast wahre) Kriminalfälle und Prozesse. Erfolg hin oder her: „Der Platz zwischen den Stühlen ist der bequemste“, sagt Schirach – er will Strafverteidiger und Autor sein. Nur: Auf der Buchmesse Literaten beobachten zu müssen, die auf einer Party versuchen zu tanzen... Schirach blickt stirnrunzelnd ins Publikum und sagt dann auf seine verbindliche Günther-Jauch-Art: „Da fällt mir nur das Gedicht ,Was schlimm ist‘ von Gottfried Benn ein.“

"Haben Sie noch eine wichtige Frage? Oder soll ich weiter vorlesen?"

Schirach, ein dünner Mann mit nach vorne gekrümmten Schultern, ist ein Universalgelehrter – und ein brillanter Anekdoten-Erzähler. Die Zuhörer lachen oft und laut, der Moderator, der dem Autor sorgsam überlegte Fragen stellt und frech-kluge Antworten bekommt, resigniert häufig mit einem breiten Grinsen.

Am Ende drängelt Schirach: „Haben Sie noch eine wichtige Frage? Oder soll ich weiter vorlesen?“ Er geht zurück ans Pult, trägt amüsiert und fast komödiantisch ein Kapitel aus „Tabu“ über den grimmigen Anwalt Biegler vor. Es muss so sein: Schirach hatte Bierbichler im Kopf, als er die Figur erfand. Aber auch er selbst steckt drin – als besessener Jurist, für den es nichts Spannenderes gibt als einen Gerichtssaal. Dann klappt Schirach das Buch zu, nickt kurz und geht. Keine Zuschauerfragen, keine Kurz-Referate von eifrigen Hobby-Interpreten – nein, diesen Gefallen tut Schirach dem Literaturbetrieb nicht.

Von Carina Lechner

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