Ein festes Ziel vor Augen und Ohren

- Mozart und Mahler: Nachbarn im Lexikon, aber auch Brüder im Geiste? Die Münchner Philharmoniker unter James Levine setzten zwei Werke dieser so unterschiedlichen Komponisten aufs Programm und demonstrierten hierbei, wie Mahlers Fünfte Mozarts C-Dur-Klavierkonzert (KV 503) mehr oder weniger "plattwalzen" beziehungsweise aus dem Gedächtnis des Hörers befördern kann. . .

Natürlich war man den Philharmonikern nicht ernstlich gram für diese ungünstige Programmfolge, boten sie doch enorm brillantes Mahler-Spiel und - in der ersten, mozartischen Hälfte - kammermusikalischen Wohllaut im Verein mit dem Pianisten Alfred Brendel. Der österreichische, mittlerweile in England lebende Beethoven- und Schubert-Spezialist erlaubte sich hier keinerlei Extravaganzen und verfolgte (vor allem in den Ecksätzen) einen ebenso konservativen wie pedalreichen Mozart-Kurs.<BR><BR>Dass die Parallelläufe dabei etwas dickflüssig gerieten und seine wunderlichen Anschlagsmanieren (Pedal treten und Taste kurz anschlagen) einen dünnen, wenig tragfähigen Ton zeitigten, dürfte die Brendel-Fans kaum gestört haben. Nach den Schlussakkorden des Finales brach das Publikum in helle Begeisterung aus, man spendete reichlich Applaus und Bravi.<BR><BR>In Mahlers grenzüber-schreitendem Sinfonie-Experiment, das nach der Pause gespielt, gewagt wurde, schien Levine im Besitz eines unfehlbaren "Dirigenten-Kompasses": ohne Verluste lenkte er das gewaltige Orchesterschiff durch die (zahlreichen) instrumentalen Klippen hindurch, immer ein festes Ziel vor Augen und Ohren, aber auch ohne der philharmonischen Mannschaft größeren Rubato-Freiraum zu gewähren.<BR><BR>Das Adagietto klang daher angenehm unsülzig, während der Mittelteil des Scherzos etwas mehr Spontaneität, etwas mehr Mut zum Irregulären vertragen hätte. Für Levines Mahler-Motorik gab es in der ausverkauften Philharmonie heftigen Beifall, desgleichen für den exzellenten Solo-Hornisten.<BR>

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