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Mit der Tragikomödie „Dreimaldraußen“ von Alexander Costea und Miriam Märk wird an diesem Sonntag in München das 30. Internationale Festival der Filmhochschulen eröffnet.

Festival der Filmhochschulen: Blick in die Zukunft des Kinos

München - Müsste man ein ideales Filmfestival erfinden, sähe es so aus: entspannte Atmosphäre, gute Filme und lange Feiern, bei denen sich Zuschauer und Regisseur kennenlernen. Zum Glück gibt es das bereits seit 30 Jahren:

das Internationale Festival der Filmhochschulen. Die Idee wurde aus der Not geboren. Ursprünglich sollte 1981 das „große“ Münchner Filmfest ausgerichtet werden, aber die jungen Wilden des neuen Deutschen Films boykottierten das Vorhaben. So nutzte Wolfgang Längsfeld, Professor an der Münchner Filmhochschule, die Gunst der Stunde und veranstaltete das erste Münchner Studentenfestival.

Das 30. Festival der Filmhochschulen

läuft von 14. bis 20. 11. Weitere Infos unter www.filmschoolfest-munich.de

Es musste schnell gehen und improvisiert werden, aber genau das macht den Charme der Veranstaltung bis heute aus: Es gibt keinen Pseudo-Glamour, keine Ex-Promis und keine VIP-Partys. Was es gibt, sind zum Teil sensationelle Filme, viel Spaß und einen Ausblick auf kommende Kino-Trends. Längsfeld, der das Festival bis 2002 leitete, charakterisiert es so: „Es ist kein esoterischer Akademieverein, und die Studenten wollen ja alle was werden. Und zwar in ihrem Beruf und nicht als Vertreter für Baumwollunterhosen.“

Geworden sind einige tatsächlich etwas, die einst als Studenten oft etwas schüchtern ihre ersten Werke präsentierten. Oscar-Preisträger wie Jan Sverak („Kolya“), Nick Park („Wallace & Gromit“) waren da, ebenso wie spätere Festival-Titanen vom Schlage eines Lars von Trier. Und fast alle renommierten deutschen Filmemacher ohnehin. Dass es viele zu etwas gebracht haben, freut Längsfeld, aber das Wichtigste ist es für ihn nicht. „Ziel war vor allem, dass sich die Studenten begegnen. Man darf nicht vergessen, dass es anfangs eine ganz andere Zeit war. Die Welt war in zwei verfeindete Blöcke geteilt. Dass sich junge Menschen aus Ost und West gegenseitig ihre Filme zeigen, darum ging es mir. Manche Studenten aus kommunistischen Ländern hatten Aufpasser an ihrer Seite. Die musste man dann austricksen - oder einbinden, das machte mehr Spaß.“ Bei Letzterem war Längsfeld sehr gut, Filmemacher können sich noch nach Jahrzehnten an ihn und das Fest erinnern.

Es war der menschliche Faktor, der dieses Festival zum wichtigsten Treffpunkt des internationalen Filmnachwuchses gemacht hat. „Da saßen eben Menschen zusammen und nicht Funktionäre.“ Daran hat sich nichts geändert. Und oft sind es Augenblicke abseits des Kinosaals, die unvergessen bleiben: etwa als ein junger Brasilianer hemdsärmlig auf die Straße rannte, um den ersten Schnee seines Lebens zu berühren. Oder als Studenten eine Karaoke-Bar stürmten und sich bis zum Morgen ihre Lieblingslieder vorsangen. Und es gab den wahnsinnigen Spanier Edu Grau, dem es so gut gefiel, dass er damit drohte wiederzukommen. Er hielt Wort und feierte buchstäblich, bis der Arzt kam: Er übersah beim Tanzen eine Wand. Seitdem erinnert eine Narbe auf seiner Stirn an München. Grau ist heute ein gefragter Kameramann in Hollywood, gerade läuft „Buried“ im Kino, bei dem er die Kameraarbeit verantwortet.

Es ist also wahr: Man trifft in München die Filmemacher von morgen - und kann mit ihnen feiern. Hoffentlich auch die nächsten 30 Jahre.

Zoran Gojic

Oscar-Preisträgerin Caroline Link über ihre Zeit beim Festival der Filmhochschulen

Als Studentin der HFF in München habe ich das Festival der Filmhochschulen geliebt! Irgendwann, ich glaube, es war im November 1988, durfte ich dort meine erste Kameraübung zeigen. Alan Parker war Jurypräsident, und ich sollte mich als Gästebetreuerin um ihn kümmern. Konkret hieß das vor allem, ihm seinen Rotwein zu den Vorführungen ins Kino zu schmuggeln und ihm ein paar hübsche Studentinnen vorzustellen. Nein, ehrlich, die Begegnung mit ihm war für mich sehr beeindruckend! Er hat mir viel zu meiner ersten filmischen Fingerübung gesagt, und wann hat man als Studentin schon mal die Möglichkeit, mit so einem Kaliber zu plaudern? Er war es auch, der mich auf die sichtbaren Unterschiede der einzelnen internationalen Filmschulen hingewiesen hat. Wer lernt was auf welcher? Für mich war diese Erkenntnis ein kleiner Baustein in dem Bestreben, meinen eigenen Weg zu gehen und mich nicht allzu sehr von irgendwem verbiegen zu lassen. Nach einer Woche Kurzfilme gucken hat Alan dann seine Abschlussansprache mit den Worten begonnen: „I have never seen so many bad movies in my entire life...!“ Damit hat er das ganze Auditorium geschockt! Was folgte, war ein Appell an Lehrer und Studenten, sich mehr den Inhalten zuzuwenden als der leeren Form. Begegnungen wie diese, aber auch die vielen Gespräche mit Kommilitonen aus aller Welt, die endlosen Feste, die damals noch in der Aula der Kunstakademie gefeiert wurden, all das hat das Festival für mich einzigartig gemacht. Ach ja, ein Jahr später stand ich während des Festivals im überfüllten Arri-Kino als Programm-Ansagerin auf der Bühne. Ich sollte fünf Filmtitel ankündigen und begann meinen Text mit den Worten: „The Berlin Wall has opened tonight!“ Mann, oh Mann. Auch diesen Moment werde ich nie vergessen!

Caroline Link

 

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