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In der heißen Phase: Probe für Verdis „Macbeth“, am kommenden Freitag ist Premiere.

Festival auf Gut Immling: Premiere von „Macbeth“

Mit Giuseppe Verdis „Macbeth“ startet am Freitag das Opernfestival auf Gut Immling bei Bad Endorf. Die Hauptrolle übernimmt nicht der unglückliche König, sondern der Chor - der hauptsächlich aus musikbegeisterten Laien besteht.

„Wer in der Badewanne singen kann, der kann es auch im Chor.“ Als seine Frau ihn vor 35 Jahren mit dieser Begründung in den Pasinger Kirchenchor lockte, ahnte Reinhard Hofmann noch nicht, dass er ein Vierteljahrhundert später auf der Opernbühne stehen würde. Nach seinem Debüt in München („Zauberflöte“ bei Tollwood 1999) gelangte er über einen Abstecher zum Kultursommer in Maxlrain vor fünf Jahren in den Chiemgau. Dort, auf Gut Immling, ist es am kommenden Freitag wieder so weit: Dann gehört der pensionierte Informatiker zum Gefolge Macbeths, der von seiner machtgierigen Frau zum Mord an König Duncan angestachelt wird.

70 Edelleute, Hexen und Krieger

Verdis dramatische Oper „Macbeth“ eröffnet heuer das 13. Opernfestival auf dem grünen Hügel von Gut Immling. Achtmal steht das Werk bis Mitte August auf dem Programm – immer am Wochenende. Denn nur dann haben alle Chorsänger aus dem Chiemgau und aus München Zeit, um in Verdis Werk den Hauptpart zu übernehmen. 70 Damen und Herren sind es, die als Edelleute, als Krieger und Hexen die Bühne der Reithalle bevölkern – unterstützt von einem Mini-Extra-Chor, dem junge Profis aus Aserbeidschan, Tschechien, der Slowakei und Mexiko angehören.

In intensiven Proben lassen sich die Laiensänger von Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock auf Verdi und seine Kollegen einschwören. Musikalisch und sprachlich, denn gesungen wird natürlich im italienischen Original. Die begeisterten Sänger treffen sich auch außerhalb der Festivalsaison jeden Freitagabend in der Immlinger Reithalle, um zu proben. „Im Winter, wenn es stürmt und schneit, ist es ganz schön kalt hier oben“, sagt Cornelia von Kerssenbrock, die vor drei Jahren auch die Chorleitung übernommen hat.

Der Service für Sie

Zwei Opern des Kern-Repertoires werden heuer auf Gut Immling neu inszeniert: neben Giuseppe Verdis „Macbeth“ (Premiere am 26.6.) auch Giacomo Puccinis „La Bohème“ (3.7.). Das Festival dauert bis zum 16. August und lockt unter anderem noch mit einer von Live-Musik begleiteten „Gala der Barockpferde“, einem „Summertime-Open-Air“, der Kinderoper„Rumpelstilzchen“, der neapolitanischen Nacht „O sole mio“ und einem Gastspiel des Kabarettisten Michael Altinger. Karten und weitere Informationen gibt es unter www.gut-immling.de oder Telefon 0180/ 504 66 54.

Jeder Sänger bekommt für zu Hause eine Lern-CD. Und auch für professionelle Stimmbildung ist gesorgt. Da hilft sogar Intendant Ludwig Baumann, früher selbst Profi im Baritonfach. Die Begeisterung und die Hingabe, mit der die Laiensänger – Bauern, Geschäftsleute, Handwerker und Akademiker – bei der Sache sind, überzeugt nicht nur das Immlinger Publikum, sondern auch Dirigentin und Regisseurin. Letztere ist übrigens die Schwester der Dirigentin: Verena von Kerssenbrock stöhnt zwar, dass bei jeder Probe irgendwo auf der Bühne jemand fehle. Aber sie weiß, dass der Erst-Beruf oft auch am Wochenende seinen Tribut fordert. Die Motivation und Spielfreude der Choristen, die einzeln bei ihrer Schwester vorgesungen haben, entschädigt für manches.

Bassist Reinhard Hofmann reist mit ein paar Sangeskollegen immer wieder aus München an. In der heißen Probenphase baut er dann seinen Wohnwagen am Simssee auf und verbindet auch während der Aufführungszeit Oper mit Urlaub in Oberbayern. Jörg Land, der Arzt mit Praxis in München und Wohnsitz in Bad Endorf, singt heuer zum ersten Mal mit. Seine Kinder waren schon früher dabei, nun lebt auch er seine Opernbegeisterung im Immlinger Reitstall aus. Im eigenen schwarzen Anzug übrigens. Das ist in Immling so Sitte, deshalb plündern die Choristen immer wieder die eigenen Kleiderschränke und bestücken den Immlinger Kostüm-Fundus.

Der schräge Fummel, den Altistin Luise Aumüller trägt, stammt zwar nicht aus eigenen Beständen, aber sie geniert sich keineswegs im „Faschingsgewand“. „Für die Bühne ist das in Ordnung“, strahlt die gelernte Erzieherin aus Endorf, die sich im Immlinger Chor ihren Jugendtraum vom Singen erfüllt. Die Mitglieder stammen fast alle aus Chören der Umgebung, unter anderen aus dem Kirchenchor St. Andreas Trostberg, dem Chor der Stadtpfarrkirche Traunstein, dem Jakobuschor Endorf, dem MGV Schlossberg, dem Gospelchor „Swinging Voices“ Prien oder aus dem Chor des Pfarrverbandes Soyen.

In ihren Reihen singt sogar ein Tenor mit, der schon als Bub im Kinderchor der Salzburger Festspiele seinen Knabensopran erklingen ließ. Günter Matzku leckte schon früh Opern-Blut („während der Karajan-Ära“), entschied sich aber doch für einen Beruf in der Wirtschaft und kehrte erst als Pensionist zur Oper zurück. „Es ist wunderbar, wenn man abends auf der Bühne steht und es funktioniert. Das ist der beste Lohn für unseren Enthusiasmus, für die viele Zeit, die wir investieren. Und manchmal, wenn ein Chormitglied in der Nähe eines Solisten stehen darf, kann es auch seine kleinen Eitelkeiten pflegen“, amüsiert sich der Hobby-Sänger über sich selbst.

Von Gabriele Luster

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