Festival für Neugierige

- "Wir wollen das Besondere präsentieren, das, was die anderen nicht machen oder nicht mögen." Seit vierzig Jahren hält sich Josef Anton Riedl an diese Idee und fährt gut damit. Damals, als seine "Klang-Aktionen" noch unter dem Titel "Neue Musik München" (heute nur noch der Untertitel) firmierten, war er der erste, der Musik von Kagel, Cage und Schnebel in München aufführte. Heuer beginnen die unter anderem auch vom städtischen Kulturreferat und dem Bayerischen Rundfunk veranstalteten "Klang-Aktionen" am Sonntag, 28. November und dauern bis zum 10. Dezember. 14 Uraufführungen stehen auf dem Programm der vier Konzerte, die im Carl-Orff-Saal und in der Black Box des Gasteig stattfinden.

<P>"Es wird ja einiges an Neuer Musik in München geboten. Für unsere Konzerte versuche ich nun, Talente und kompositorische Besonderheiten in der Generation der 20- bis 40-Jährigen aufzuspüren." Fündig wird Riedl, selbst anerkannter Neutöner aus der Schule von Hermann Scherchen und Carl Orff, bei seinen vielen Reisen. In den Zentren der zeitgenössischen Musik, in Donaueschingen und Darmstadt, in Paris, Helsinki und Brüssel. <BR>Riedls Interesse an neuen Klängen begann, als er 14 Jahre alt war. <BR><BR>Poesie der Laute<BR><BR>Der Schüler suchte den Kontakt zu Karl Amadeus Hartmann, dem Initiator der musica viva, und war zunächst als Werber und Kartenverkäufer tätig. "Danach schrieb ich kleine Einführungen für die Zeitung und später kam das Organisieren und Programmieren dazu." Auch in seiner Neuen-Musik-Reihe arbeitete Riedl mit Hartmann und der musica viva zusammen. "Er stellte eher die Klassische Moderne vor, wir das Experimentelle." So ist es bis heute geblieben.<BR><BR>Schwerpunkte im diesjährigen Programm setzen die Lautpoesie, die Beschäftigung mit Mikrointervallen und die Benutzung eines außergewöhnlichen Instrumentariums. Da wird vor allem am 8. Dezember in der Black Box, wo auch John Cages "Living Room Music" erklingt, einiges geboten: Brettchen und Kugeln (Limpe Fuchs), Glas und Wasser (Daniel Ott), Gewindestangen, Gitterroste (Bernhard Zörner), Gegenstände vom Baumarkt (Steffen Schleiermacher) oder Plastikflaschen und Kartenspiele (Erwin Stache). Diese "Instrumente" bringen neben den Profis Schüler-Arbeitsgemeinschaften von Gymnasien aus Trostberg und Leipzig zum Einsatz. Natürlich fehlt in den "Klang-Aktionen" auch Elektronisches nicht. Es ist aus der Neuen Musik ebenso wenig wegzudenken wie die außereuropäischen Einflüsse der traditionellen Musik aus Arabien, Afrika und China. So sind Josef Anton Riedls "Klang-Aktionen" auch heuer wieder ein Mini-Festival für alle Neugierigen, die wissen wollen, was Komponisten aus neun Ländern sich trauen. </P><P>28.11.-10.12. im Gasteig, <BR>Karten: 089/ 54 81 81 81 und an der Abendkasse.</P>

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