Festlich, hell und heiter

- Für einige niederländische Künstler, die ihre Prägung im Italien der Spätrenaissance erhielten, wurden Landshut mit der Burg Trausnitz und München gegen Ende des 16. Jahrhunderts attraktiv, und zwar durch die Aufträge des seit 1579 als Herzog residierenden Wilhelm V. Im Souterrain der Neuen Pinakothek verbindet die Staatliche Graphische Sammlung Zeichnungen von Friedrich Sustris, der als Sohn eines Amsterdamer Malers um 1540 in Italien zur Welt kam, mit Blättern von Peter Candid, Joris Hoefnagel, Hendrick Goltzius, Hans von Aachen, Christoph Schwarz und aus der Kupferstecherfamilie Sadeler sowie mit einigen Gemälden und Schatzkammerstücken. Als plastischer Hinweis auf die erste ganz in italienischem Stil geschaffene Brunnenanlage Süddeutschlands dient Hubert Gerhards Bronze eines harpunierenden Tritonenputto auf einem Frosch. Er gehörte zu einem Brunnen vor dem Palast Herzog Ferdinands auf dem Münchner Rindermarkt, der 1611 abgebaut wurde und im Brunnenhof der Residenz durch Kopien ersetzt wurde.

Friedrich Sustris hatte seit 1653 in Florenz für die Medici gearbeitet, später für das Augsburger Haus Hans Fuggers, bevor er 1573 für Erbprinz Wilhelm auf der Burg Trausnitz ein Kollektiv von in Italien geschulten Künstlern zu leiten begann. Es ging um die Ausstattung des Fürstenbaus und des "Italienischen Anbaus" samt "Narrentreppe" sowie um den Hofgarten mit seinen Springbrunnen - alles möglichst festlich, hell und heiter.

Dieselben Künstler waren seit 1581 für die Münchner Residenz tätig und für die 1583 begonnene Kirche St. Michael. Diese produktive Phase endete für die meisten Beteiligten mit der aus finanziellen Gründen veranlassten Abdankung Wilhelms V. im Jahr 1597. Die Ausstellung ist gegliedert nach der Zweckbestimmung der Studien und Entwürfe. Zugehörig sind Kopien, Kupferstiche und Joris Hoefnagels präzise Miniaturen seiner allegorischen Tierdarstellungen. Den Anfang machen die grafisch feinen Belegstücke der für Künstler ergiebigen "Grand Tour" nach Italien.

Sustris erscheint mit Vorlagen für manches, was verloren ging. Ein gewappneter Mars schreitet streitbar einher, Grammatica und Rhetorica stehen für die Sieben Freien Künste. Genialisch erscheinen neben den mythologischen Illustrationen die impulsiven Studien Peter Candids zu einer Apotheose, zu einem Martyrium und zur Heiligen Familie.

Bis 8. Januar 2006, der Katalog kostet 34,50 Euro.

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