Festspiele der Superlative

- Festspiele der Superlative wird Salzburg im Sommer 2006 stemmen. Zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart marschieren seine 22 Opern auf, von A wie "Apollo et Hyacinthus" bis Z wie "Zauberflöte". Diese wurde im vergangenen Sommer von Graham Vick verhunzt, wird nun entsorgt und erscheint 2006 - weil Vick zu keiner Weiterentwicklung bereit war - in einer Neuinszenierung von Pierre Audi; Dirigent ist wieder Riccardo Muti.

Das war die große Überraschung, die Festspielchef Peter Ruzicka gestern in Salzburg bekannt gab. Dass man sich eine neue "Zauberflöte" leisten kann, dafür sorgen die Mäzene Donald und Jeanne Kahn, wie Ruzicka verriet.

"Der ganze Mozart wird es sein", freut er sich und setzt, gestärkt durch den "Mitridate"-Erfolg 2005, auf viel Neugier beim Publikum. Die "Altgier" wird gleich zur Eröffnung des neuen "Hauses für Mozart" am 26. Juli mit "Le nozze di Figaro" (Harnoncourt, Claus Guth, Anna Netrebko als Susanna) gestillt. Das Projekt "Mozart 22" verschlingt mehr als 150 Gesangssolisten und das gesamte Festspielbudget stieg um 7,6 Millionen auf 51, 4 Millionen Euro. "Noch nie wurde an so vielen Aufführungsorten gespielt, gab es so viele Vorstellungen", betonte Präsidentin Helga Rabl-Stadler.

Auf ungewohnten Wegen nähern sich die Festspielkünstler dem Frühwerk Mozarts: Joachim Schlömer begibt sich an drei Abenden auf "Irrfahrten" mit Mozart. Er entwickelt dessen Lebensweg aus der Fremdbestimmung im Frühwerk "La finta semplice" über die Krise (mit dem Lied "Abendempfingung" und Ann Murray) zur Fragmentierung, wobei er "L'oca del Cairo" und "Lo sposo deluso" mit dem Requiem koppelt.

Nach 239 Jahren kehren "Apollo et Hyacinthus" zurück in ihren Uraufführungsort, die Universitätsaula. Dort wird das Werk in Zusammenarbeit mit der Universität Mozarteum (Regie: John Dew), wie Ruzicka verspricht, "in historischer Aufführungspraxis als einzigartige Imagination" entstehen. Ganz anders wird man der Fragment gebliebenen "Zaide" zu Leibe rücken. Die israelische Komponistin Chaya Czernowin setzt mit ihrem Werk "Adama", das um den Konflikt einer jungen Israelin und eines Palästinensers kreist, einen Kontrapunkt zu Mozart.

Zeitgenössische Reaktionen auf Mozart prägen auch das Konzertprogramm der kommenden Salzburger Festspiele. Mit Stolz präsentierte Ruzicka die Liste der 15 Kompositionsaufträge unter anderem an Karlheinz Stockhausen, Wolfgang Rihm, Adriana Hölszky, Olga Neuwirth, Gerd Kühr, Manfred Trojahn, Hans-Jürgen von Bose, Brian Ferneyhough.

Gegen diese geballte musikalische Übermacht wehrt sich Schauspielchef Martin Kusej unter dem Motto: "Genug! Vom Glück im Diesseits" mit einer komödiantischen Großoffensive: "Der Mensch, verwirrt, in extremen, existenziellen Situationen. Der Mensch als Fehler im System. Und dennoch steht der Mensch für mich immer im Mittelpunkt", betont Kusej. In seiner letzten Salzburger Saison inszeniert er seinen ersten Nestroy: "Höllenangst".

So spät, weil er sich erst jetzt imstande fühlt, "um grundsätzlich mit ein paar Missverständnissen in der österreichischen Nestroy-Rezeption aufzuräumen". Ansonsten setzt er bei seinem Komödienreigen von Shakespeares "Viel Lärm um nichts" über Molières "Tartuffe" bis zu Barbara Webers "Happiness Is a Warm Gun" auf Koproduktionen mit Hamburg, Berlin und Wien und auf seine "Young Directors".

Zum Kehraus der Mammut-Mozart-Festspiele und seiner Salzburger Zeit lädt Festspielchef Ruzicka zu einem Symposion "altgriechischer Art"und krönt den Mozart-Rausch mit einem irdischen, mit Wein und Speisen zu Neuer Musik. Abonnements - "Mozart 22", Entdecker-, Wahl- und "Irrfahrten"-Abo - locken mit Vorzugspreisen. Festspiele zum Nulltarif gibt es im Fernsehen (ORF, ARD) und auf der Siemens-Leinwand am Kapitelplatz.

@ www.salzburgfestival.at

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