Festspiel-Format

- Eindeutig zu früh. Drei Monate bis zum spektakelnden Saisonfinale, doch die Bayerische Staatsoper gibt sich schon mal verschwenderisch. Gönnt sich und den jubelnden Fans "Figaros Hochzeit" mit neuen Gesichtern - und in Festspiel-Format. Welch Seltenheit: zurücklehnen, genießen, nie Angst haben um gefährdete Töne oder wackere Sänger, die bemüht im Mittelmaß stecken bleiben. Derart ausgewogen besetzt, übertrifft die Produktion gar die Premierenserie.

<P>Regisseur Dieter Dorn hätte sich vermutlich die Locken gerauft ob manch übertourigem Chargieren, bewahrte doch einzig Amanda Roocroft (Gräfin) seinen dezenten Humor. Aber wenn sich ansteckende Spiellust mit exzellentem Gesang paart, müssen Puristen verstummen. Rosemary Joshua, demnächst in Händels "Saul" aktiv, überzeugte als "moderne", natürliche Susanna, die genau die rechte Balance zwischen Empfindsamkeit und hintergründigem Witz fand, diese Nuancen auch hörbar machte.</P><P>Ein idealtypischer Kontrast die Männer: der sympathische John Relyea (Figaro) mit kernigem, sehr flexiblem Bass -_ und ihm gegenüber Peter Mattei, der mit edlem Kavalierbariton wucherte und seinen schmolllippigen Almaviva zwischen ständiger Grapschlust und gelegentlichem Wutpoltern ansiedelte. Magdalena Kozená´ als Luxus-Cherubino ergänzte das Muster-Ensemble. Und der aufgekratzte, etwas unstet dirigierende Ivor Bolton entdeckte mit dem Staatsorchester manch Detailwunder in Mozarts Partitur, nahm dabei auch Wackler in Kauf. Das rastet noch ein, spätestens in der Zweitvorstellung am Donnerstag.<BR></P>

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