Fett und glücklich

- Die Vollschlanke hätte gerne Heidi Klums Modelfigur, der Dürre blickt mit Neid auf die Muckis von Mister Bodybuilder. Der Mensch ist halt nie mit sich zufrieden. Diese für ihn so missliche und schon in der Vorschulphase einsetzende Negativ-Neigung hat Anneli Mäkelä zum Thema einer Tierfabel gemacht und daran handlich-hübsch die allgemeine Frage über Normen und Werte aufgehängt. Aus dem Schwedischen (von Verena Reichel) übersetzt, ist "FlussPferde" im Theater der Jugend/ Schauburg zu sehen. Inszeniert hat Jule Ronstedt, in München als Schauspielerin an den Kammerspielen in bester Erinnerung.

Fabel zum Mitfantasieren

Die beste Bestätigung für die Regisseurin ist das Kinderkichern. Und auch wer das sonnige Alter von sechs Jahren um einiges überschritten hat, kann sich hin und wieder ein Schmunzeln nicht verkneifen. In grün-blauer Flusslandschaft (Tobias Euringer) trifft ein drahtiges Exemplar aus der spanischen Reitschule auf eine unter rosa Organza hüftschwere Flusspferddame.

Und während sie eben noch auf ihrem Seerosen-Faulbett lagerte, glücklich mit sich, ihrem Dauerappetit und fülligen Umfang, will sie nach Rassepferds Absatz-klackernder Flamenco-Performance nur noch Diät und Fitness-Hüpfen. Aber die fettbewehrte Hippopotamus-Dame kann schwimmen!

Wie zu vermuten, frisst sich der smarte Hengst einen Ranzen an, zwecks Konkurrenzbefähigung in den Fluten - in denen, aneinander geklammert, er jetzt dick, sie kraftlos dünn, beinahe beide ersaufen. Am Ende entschwebt Pegasus, das geflügelte Pferd, als Schattenriss in den Abendhimmel. So macht Ronstedt die Traumfigur zur verzichtbaren Utopie und den Kleinsten klar: "Das hat einen Sinn, dass ich bin, wie ich bin."

Mit Tamara Hoerschelmanns anmutig ausgestopfter Rundlichkeit, Stefan Maaß' schnaubwieherndem Tänzeln (Choreographie: Johanna Richter) und mit Bassist Tobias Weber, auch als Ansprechpartner fürs ungleiche Pärchen, entsteht in fesch-frechen Kostümen ein Märchen, das entgegen modischer Hektik und Aktionismus den Charme der Langsamkeit wieder entdeckt und Kindern das Mitfantasieren gestattet.

10., 29., 30., 31. 3. um 10.30 Uhr; 28. 3. um 19.30 Uhr, Tel: 089/ 233-371-71.

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