Das Feuer lodert noch immer

- Entspannt tänzelt Patti Smith zum Mikrofon, so als sei es normal in einem riesigen Saal, nur von einer akustischen Gitarre begleitet, ein Rock-Konzert zu geben. Mit dem ersten Ton wird klar, woher diese Gelassenheit rührt: Patti Smith braucht gar nicht mehr als eine Gitarre und ihre Stimme, um das Theater im Haus der Kunst unter Strom zu setzen.

<P>Die rücksichtslose Leidenschaft ihrer Auftritte hat Smith in den 70er-Jahren berühmt gemacht, und das Feuer lodert immer noch in der Frau, die sich trotz ihrer 56 Jahre etwas Jugendliches bewahrt hat.<BR><BR>So locker Smith zwischen den Liedern ist, so inbrünstig schreit sie mit dieser unverwechselbaren Stimme, die einen direkt in die Magengrube trifft, gegen die Gleichgültigkeit an, erzählt von Glaube, Elend, Hoffnung und Verzweiflung. Wie Smith mühelos zwischen zärtlichem, wütendem oder sehnsüchtigem Tonfall wechselt, ist unerreicht. </P><P>Niemand phrasiert so wie sie; es liegt an der einzigartigen Mischung aus Intellekt und Gefühl. Sie legt Herzblut in ihre Lyrik, die durch den virtuosen Umgang mit Klang und Inhalt begeistert. Gitarrist Oliver Ray lässt sich davon mitreißen und drischt mit Enthusiasmus auf sein Instrument ein. <BR><BR>Zwischen neuen und alten Liedern liest Patti Smith aus ihrem Gedicht "Munich", das sie vor 26 Jahren über einen München-Aufenthalt geschrieben hatte. Aber was heißt schon lesen: Sie trägt es so unmittelbar vor, als ob sie die geschilderten Gefühle und Ereignisse gerade durchleben würde. Smith kommt ganz ohne verquaste Künstlerposen aus und ist dadurch glaubwürdig, wenn sie Frieden und bessere Zeiten beschwört - auch als sie vom Haus der Kunst schwärmt, in dem momentan ihre Zeichnungen gezeigt werden. </P><P>Gleichgültig wie verwerflich die Absichten der Erbauer des Nazi-Baus gewesen sein mögen, die Tatsache, dass sich dort nun Menschen mit positiven Dingen beschäftigen, mache daraus einen schönen Ort, findet Smith. Etwas Gutes werde geschehen, weil sie es fühle, rezitiert sie aus "Munich". Es ist etwas Gutes geschehen. </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline

Kommentare