Ein Feuerwerk

- "Eine Nummer kleiner" scheint es im Vokabular von Ute Lemper nicht zu geben. Denn auch bei ihrem jüngsten Münchner Auftritt war alles überlebensgroß. Und zwar vom ersten Moment an, in dem "La Lemper" ihren Fuß auf die Bühne des Prinzregententheaters setzte und sich nach ihrer Babypause auch in der deutschen Heimat wieder eindrucksvoll zurückmeldete.

Mitgebracht hatte sich die Münsteraner Diva mit Wohnsitz in New York dafür an diesem Samstag das NDR Pops Orchestra, das unter der Leitung von Lutz de Veer jedoch nicht immer ganz mit der schier überschäumenden Energie seiner Solistin mitzuhalten vermochte.

Die brannte auf der Bühne stimmlich ein wahres Feuerwerk ab, bei dem für Kompromisse kein Platz war. Was kümmerte es da schon, dass von den ursprünglich angekündigten "Legenden des Chansons" bei genauerer Betrachtung letztlich nur Jacques Brel und Edith Piaf übrig geblieben waren? Vor allem dann, wenn Klassiker wie "Amsterdam" oder "Milord" mit einer derartigen Leidenschaft wie hier ins Publikum abgefeuert werden, die einen fast das Original vergessen lassen.

Von Brecht bis Brel

Trotz dieser emotionalen Abstecher in die französische Hauptstadt lagen der Schwerpunkt und das Herz des Abends dennoch in Berlin, wo sich Ute Lemper mit der Musik von Kurt Weill/ Brecht, Hanns Eisler oder Berthold Goldschmidt ebenfalls auf bestens vertrautem Terrain bewegte. An die Seite gestellt hatte sie diesen politisch aufgeladenen Liedern und Balladen das anrührend schlichte "Bokserboym" der israelischen Sängerin Chava Alberstein, das mit seiner zurückgenommenen Klezmerbegleitung auch dem Publikum einen flüchtigen Moment zum Atemholen gewährte, ehe die musikalische Reise weiter nach New York zu den glitzernden Lichtern des Broadway führte.

Denn natürlich durften bei diesem "Best of Lemper" auch ihre großen Bühnenerfolge mit Musicals wie "Cabaret" und "Chicago" nicht fehlen, die mit beinahe inflationär eingesetztem Hüftschwung und leicht gehobenem Rocksaum serviert wurden. Reize, mit denen sie auch als "fesche Lola" nicht geizte und bei den Zugaben noch einmal die Temperatur im Saal zum Steigen brachte, ehe das Publikum mit "Nanas Lied" wieder ins eisige Schneetreiben vor der Tür entlassen wurde.

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