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Merce Cunningham fordert auch beim heiteren „Biped“ viel schwierige Technik von den Tänzern ein.

Premieren-Kritik

Feuerwerk der Körper

München - „Exit and Entrances“, der neue Ballettabend im Münchner Prinzregententheater mit Choreographien von Merce Cunningham und Richard Siegal: Selten wurde eine Uraufführung mit solcher Begeisterung aufgenommen wie Siegals „Unitxt“, ein Auftragswerk des Bayerischen Staatsballetts.

Der vielfach ausgezeichnete, ehemalige Forsythe-Tänzer brennt zu elektronischer Musik von Carsten Nicolai, die nur den Rhythmus vorgibt, ein Feuerwerk der Körper in rasanter, mit den Augen kaum nachzuvollziehender Bewegung ab. Ein handlungsloses Stück, in dem die zwölf Tänzer und Tänzerinnen, darunter Katherina Markowskaja und Léonard Engel, gleichberechtigt agieren. Nur manchmal gibt es für Momente kleine Pas de deux’. Bestechend die Vielfalt und Frische der Bewegung, das Tempo und nicht zuletzt der Mut der Tänzer, sich im wildesten Schwung auf die Hand des Partners zu verlassen.

Ganz neu und eben nicht Dekoration, sondern metier-erweiternd: die mit Griffen besetzten Korsetts der Mädchen, ausgedacht vom Münchner Star-Designer Konstantin Grcic. Die Männer haben damit ganz neue „Zugriffsmöglichkeiten“ und können blitzschnell die Richtung des Mädchenkörpers ändern. So packt man einen jungen Hund oder eine Katze. Hier dient es dem Tempo, schafft einen Verblüffungseffekt.

Bühne, Licht und Video stammen von Siegal – alles cool, klar, zeitgenössisch. Ein Vergnügen! Aber warum wieder mal ein so alberner Titel?

Und dann der Cunningham. Stolz des Hauses. Zum ersten Mal tanzt das Staatsballett ein Signaturwerk vom amerikanischen Postmodernen (gestorben 2009), von dem alle, auch Richard Siegal, gelernt haben. „Biped“, Zweifuß (also Mensch), heißt das 1999 uraufgeführte Stück.

Wie bei jeder Vorstellung ist auch bei der deutschen Erstaufführung in München der Minimal-Komponist Gavin Bryars mit seinem Ensemble dabei. Cunningham hat in „Biped“ viel Beiwerk zugelassen. Die zwölf Tänzer, darunter Isabelle Sévers, Evgenia Dolmatova und Antonia McAuley, stecken in bunt-silbrigen Lamé-Kostümen, werden gedoubelt, ohne dass sie das selber sehen können, von skelettierten computergesteuerten 3D-Tänzerbildern, die wie Geister über die Bühne ziehen. Videos mit Punkten, bunten Streifen beunruhigen die Szene.

Die schwierige Cunningham-Technik fordert von den Tänzern ganz neue Körperhaltungen und Bewegungsabläufe. Sie müsste wie im Schlaf sitzen – tut es manchmal noch nicht ganz –, damit der heitere, fließende Charakter des Stücks erscheinen kann. Fünfundvierzig Minuten purer Tanz sind eine lange Zeit, und sie wurde dem Publikum auch lang. Entsprechend kürzer, wenn auch respektvoll, der Beifall.

Nächste Vorstellungen am 28.6 und 16.7., Karten: 089/ 21 85 19 20.

Von Beate Kayser

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