Feuriger Barock

- "Die Chance, hier ein professionelles Barockorchester aufzubauen, das sich nicht nur als Telefon-Ensemble zusammenfindet, sondern einen festen Stamm bekommt, die reizt schon sehr." Hansjörg Albrecht, seit September 2005 Leiter des Münchener Bach-Chores, hat sich viel vorgenommen. Nicht nur, dass er die Sängerinnen und Sänger wieder an die Spitze der deutschen Chorlandschaft führen möchte, sondern er will zudem für eine Neuauflage des Münchener Bach-Orchesters sorgen. Das erste (bereits ausverkaufte) Konzert ist am Freitag, 20 Uhr, in der Allerheiligenhofkirche mit Bachs Orchestersuiten.

Einst von Karl Richter zeitgleich mit dem Chor gegründet, war das Ensemble weltberühmt und gastierte in Paris, New York oder Tokio. Ständiger Begleiter des Chores wurde nach Richters Tod neben dem Bach-Orchester auch das Münchner Bach-Collegium, beide Vereinigungen wählten moderne Instrumente. Nun will Albrecht das "alte Produkt" wiederbeleben und gründete das Münchener Bach-Orchester als festes Ensemble mit alten Instrumenten. "Mein Vorbild ist Il Giardino Armonico. Ähnliche Klangvorstellungen haben in Deutschland die Akademie für Alte Musik in Berlin, das Freiburger Barockorchester, die Musica Antiqua Köln oder Concerto Köln. Die haben es geschafft. Und warum soll das nicht auch in München möglich sein?"

In Sachen historische Aufführungspraxis steht München ja im Ruf, Diaspora zu sein. "Der Wille zu einer konstanten Arbeit ist bei vielen jungen Musikern aus München und dem Umland extrem groß. Wichtig sind feurige Instrumentalisten, die mit Leib und Seele dabei sind."

Zentraler Pfeiler ist Bach

Konzertmeisterin ist die Violinistin Annegret Siedel, Flötist Albrecht Hampe hat das Management übernommen. Finanzieren soll sich das Bach-Orchester über Sponsoren. Insofern ist das Auftaktkonzert extrem wichtig. Es wird mitgeschnitten - Finanziers wollen Ergebnisse sehen.

Konkret sind Albrechts Pläne auch beim Repertoire: "Wir wollen Bach als zentralen Pfeiler nehmen, also das gesamte Orchesterwerk nach und nach aufführen und dann auch Querverbindungen schaffen." Auf jeden Fall ist eine regelmäßige Zusammenarbeit des neuen Bach-Orchesters mit dem Bach-Chor geplant. Albrecht kann sich hier gut eine Art Dachverband à la Bach-Akademie Stuttgart vorstellen. Die Pläne reichen bereits über CD-Produktionen bis hin zum Genre Oper.

Und warum Albrecht fürs Auftaktkonzert die Orchestersuiten von Bach wählte? "Weil sie meines Wissens sehr selten komplett gespielt werden. Und wenn ich mir Programme von Barockorchestern ansehe, dienen sie oft nur entweder als Finalstücke oder die h-moll-Suite als Schmankerl zwischendurch, um den Flötisten zu präsentieren."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
Rupert Grint über die Gangsterserie „Snatch“ und sein Entkommen aus der Gefangenschaft des „Harry Potter“-Universums.
„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

Kommentare