Figaro hier, Figaro da

- "Mal sehen, was du gelernt hast", sagt Graf Almaviva zu Figaro. Und es beginnt ein eleganter Gang mit dem Florett. Mal sehen, was sie gelernt haben: Das machte Regisseur Mario Holetzeck zum Motto seiner sehr animierenden und gelungenen Arbeit mit den Schauspielstudenten des dritten Jahrgangs der Bayerischen Theaterakademie. Zehn junge Leute, ein altes Stück: Beaumarchais'"Toller Tag", besser bekannt als "Figaros Hochzeit", 1784 in der Comé´die Franç¸aise uraufgeführt.

<P>In ehrwürdig altem Gemäuer sollte auch diese Münchner Premiere über die Bühne gehen - im Hof der Alten Münze. Doch der Wettergott machte alle Hoffnungen auf ein Freilichtspektakel zunichte. Gespielt wurde am Alternativschauplatz, im dem Prinzregententheater zugehörigen Akademietheater. Und von Kenntnis der ersten Vorstellung aus darf gesagt werden: Niemand muss traurig sein, sollte er wegen Regens vom Draußen ins Drinnen umgeleitet werden. Denn diese Aufführung macht in ihrer jugendlichen Frische, ihrem ungeheuren Witz, dem fabelhaft gleichberechtigten Zusammenspiel aller hier wie dort einen Riesenspaß.</P><P>Die Geschichte ist wohl vertraut. Figaro und Suzanne, beide in gräflichen Diensten, wollen heiraten; der lüsterne Graf funkt begehrlich dazwischen, und es beginnt das allseits bekannte Intrigenspiel, vom Regisseur hübsch ironisch und heutig aufgepeppt. Andrea Fisser hat den in wunderschöne Kostüme verpackten Jungakteuren eine tolle Bühne gebaut. Ein Schachbrettboden, auf dem die höfischen Figuren selbst die Spieler abgeben - bis Almaviva das Ritual aufhebt. Die Form ist aus den Fugen. Sie gurren und geilen, intrigieren, spionieren und musizieren, stellen Finten und Fallen, fliegen in die Versenkungen, tauchen unverhofft aus den Tiefen des Bodens wieder auf - alles ganz und gar "Figaro hier, Figaro da". Sie tanzen Quadrille, singen Mozart und scheuen auch nicht davor zurück, "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n" zum Besten zu geben. In allem musikalisch vom Flügel aus sicher begleitet durch Dean Wilmington.</P><P>Im Mittelpunkt des rasanten Spiels, das mitunter - paradoxerweise - durch ein Zuviel an Ideen auch mal ein bisschen durchhängt: Charmebolzen Christoph Pütthoff als Figaro, erkennbar als außerordentliche Begabung. Alle anderen - Jennifer Sabel, Sandra Gerling, Johanna Sembritzki, Mila Dargies sowie Tobias Licht, Andreas Thiele, Raphael Westermeier, Sebastian Gerasch und Sascha Grüb - strahlen als Ensemble.</P>Nächste Termine: 13., 14., 16. 7. Tel. 089/ 21 85 28 99.

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