„Bildnis eines Mädchens“ mit dem üblichen Schmuck: Miedergeschnür, Kropfkette, Ohrringe und Riegelhaube.

Filigrane Opulenz

München - „Schmuck zum Gwand“: Eine Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum

Das Münchner Madl, das Joseph Anton Rhomberg 1828 ebenso wie die Eltern malte, trägt das typische Miedergwand (siehe Abbildung), wie es sich für junge Frauen ziemte. Ihre Mutter hat das Spenzergwand an. Die gut situierten Bürgersleut konnten es sich leisten, von einem angesehenen Künstler verewigt zu werden – und sie legten dafür natürlich Festtagskleidung und Schmuck an: Ma zoagt, wos ma hod. Von dieser Verbindung erzählt die Ausstellung „Schmuck zum Gwand – Ländliche Bijouteriewaren aus dem 19. Jahrhundert“ im Bayerischen Nationalmuseum, München.

Kuratorin Nina Gockerell, die Volkskunde-Spezialistin des Museums, legt bei der Schau darauf Wert, nicht wie bei der Präsentation in der Schmuck-Stadt Pforzheim die Preziosen in den Mittelpunkt zu rücken; sie will vielmehr schildern, wie sich die speziell süddeutschen Schmuckstücke aus dem praktischen Nutzen heraus entwickelt haben. Bei den Knöpfen für den Männerrock ist das am augenscheinlichsten. Der simple Gebrauchsgegenstand besteht nun aus kostbarem Material, und er häuft sich auf dem Stoff. Derartige Extravaganzen waren bis Ende des 18. Jahrhunderts den unteren Ständen verboten: keine bunten Stoffe, keine Metall-Zier. Als sich dieser Zwang lockerte, orientierte man sich zunächst am Adel und entwickelte dann eigene Formen. So wurde zum Beispiel aus dem unscheinbaren Miedergeschnür eine wahre Silberpracht inklusive der Haken.

An dem Mädchenbildnis erkennt der Betrachter, dass sie weder Verehrer hat, noch den Familienschmuck tragen darf: Es gibt keine Anhänger und keinen üppigen Geschnürstift. Auch er entsprang der Praxis, half er doch früher die Schnürbänder einzufädeln. Sogar die Hauptdekoration der berühmten Kropfketten entwickelte sich aus dem Nutzwert. Sie ist die Schließe, die sich im Laufe der Zeit vom Unscheinbaren zum Prunkstück gemausert hat; übrigens in der Nachfolge der Florschließen. Die hielten ein dünnes, schwarzes Stofftuch zusammen. Beispiele zauberischer Blüten finden sich in der Schau – opulent und filigran.

Das ist das Stichwort für die Technik, die vor allem in Schwäbisch Gmünd perfektioniert wurde. Silberfaden (filium) und -korn (granum) wurden nicht mehr auf Metall gelötet, sondern frei schwebend verbunden. Vom Knopf über Gebetbuchbeschläge bis zu Haubennadeln trat das Silberfiligran seinen Siegeszug an. Daneben gab es Schaumgold, hauchdünnes Goldblech. Die Schmucksteine und Perlen waren Glas und Imitat, dennoch wurde der Schmuck nur zu Festen getragen.

26. 11. 2010 bis 27. 2. 2011, Di.-So. 10-17, Do. bis 20 Uhr; Katalog: 21 Uhr.

Simone Dattenberger

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