Das Finale eines Marathons

- "Lieto fine", fröhliches Ende, auf Derartiges steuert meist die vom Wunschkandidaten heiß geliebte Oper zu. Und genauso ließe sich auch das gestrige Ereignis im Münchner Stadtrat übertiteln: Einstimmig (!) votierte das Gremium für eine Berufung Christian Thielemanns zum Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker und beendete damit einen fast eineinhalbjährigen Verhandlungsmarathon. Ab September 2004 wird der 44-Jährige damit Nachfolger von James Levine.

<P>Der Vertrag gilt mindestens bis 2011</P><P>Bis zuletzt war der Vertrag umkämpft: Thielemann forderte ein Sonderkündigungsrecht, falls durch Sparmaßnahmen die Sollstärke des Orchesters von 120 Musikern unterschritten wird. Die Stadt gewährte ihm dies, verweigerte dem Dirigenten allerdings eine mögliche finanzielle Abfindung. Kulturreferentin Lydia Hartl, die sich gestern "überglücklich" zeigte, wertet Thielemanns Forderung als "Bekenntnis zu den Philharmonikern". Er habe damit verantwortlich fürs Orchester gehandelt.<BR><BR>Die Laufzeit von Thielemanns Vertrag, das ist ungewöhnlich in der Musikszene, beträgt sieben Jahre. Bleibt eine Kündigung aus, wird er automatisch um fünf weitere Jahre verlängert. Wie zu hören war, wird Thielemann in seiner ersten Saison nur 18 Konzerte dirigieren, dann 24, später schließlich mindestens 30. </P><P>Die Staffelung hängt mit seinem Bayreuther Engagement zusammen. 2006 bringt er dort den neuen "Ring des Nibelungen" heraus, was eine starke Präsenz im Wagner-Mekka erforderlich macht. Erst wenn die vier Opern gestemmt sind, steht Thielemann also München voll zur Verfügung. Die Stadt zahlt ihrem neuen GMD angeblich ein Grundgehalt von 100 000 Euro pro Spielzeit, dazu wird jedes Konzert extra vergütet. Unterm Strich, so versicherte Lydia Hartl, liege Thielemanns Gage aber unter der von James Levine.<BR><BR>Die Kulturreferentin ließ durchblicken, dass Thielemann auch eine starke konzeptionelle Kompetenz eingeräumt wurde: "Der Dirigent hat, wie in der Philharmoniker-Geschäftsordnung festgelegt, grundlegende künstlerische Richtlinien vorzugeben. Und das wird Thielemann auch nutzen. Die künstlerische Kompetenz des Intendanten umfasst den Rest." Sie erwarte aber, dass die Zusammenarbeit von GMD und Intendant Bernd Gellermann konstruktiv verläuft. "Reibungen wird's immer geben, doch ich gehe davon aus, dass alles funktioniert. Sollte es wirklich nicht klappen, muss man sich eben etwas anderes überlegen."<BR><BR>Bernd Gellermanns Vertrag läuft bis 2007. Immer wieder wurde in letzter Zeit geargwöhnt, bei einem derart starken und selbstbewussten Intendanten, dem Levine weitgehend die Programmplanung überlassen hatte, seien Konflikte vorprogrammiert - zumal auch Thielemann als eigenwilliger Künstler gilt.<BR><BR>Wann der Vertrag unterzeichnet wird, steht noch nicht fest. Die Kulturreferentin hofft, dass es noch in diesem Monat passiert. In einem Telefonat mit Lydia Hartl habe sich Thielemann "sehr erfreut" gezeigt, zu einem Interview war der künftige GMD gestern nicht bereit. Dass Thielemann, zugleich Chef der Deutschen Oper Berlin, im Zuge der dortigen Musiktheater-Reform eine Art Berliner Intendanten-Amt anstrebt, schließt Hartl aus. Auch sein Agent Till Janczukowski bestätigt dies: "Das wird er sich nie und nimmer aufladen, damit ist eine enorme Verwaltungsarbeit verbunden. Der will dirigieren, nichts anderes." </P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare