Finale im Handstreich

- Aus Warschau kommt Jakub, genannt Kuba, Jakowicz, der mit seinen 23 Jahren schon einige Stationen auf dem Weg zum momentan in seiner Altersklasse von Damen dominierten Geiger-Olymp absolviert hat. Der sympathische Bursche stellte sich im Abokonzert der Münchner Philharmoniker (Gasteig) vor und eroberte das Publikum im Nu.

<P>In Camille Saint-Saëns' drittem Violinkonzert in h-moll bot sich ihm reichlich Gelegenheit, seine (von Penderecki ebenso wie von Menuhin geförderten) Künste auszubreiten: Nach wenigen Orchestertakten stieg er mit einem sinnlichen Ton ein, der sofort aufhorchen ließ. Die Läufe, die ihn gleich in die höchste Lage zwingen, nahm er mit Leichtigkeit, offerierte gerade in der riskanten Gipfellage einen gläsernen, kristallklaren, funkelnden Ton, der nie spitz klang, sondern auf lupenreinem Intonationsniveau durch den Raum schwebte. Wundervoll in den Trillern des langsamen Satzes, der im innig-lieblichen Zwiegesang mit dem Holz, dem Dialog mit Klarinette und Oboe seine zauberische Wirkung auch auf die Bronchien des Publikums ausdehnte. Im rhythmisch-tänzerisch betonten Finalsatz ließ er dann schließlich dem Virtuosen freien Lauf und reichte noch ein Zuckerl nach - zur Wonne des Publikums. </P><P>Dass das Zusammenspiel mit den Philharmonikern so tadellos klappte, war Pinchas Steinbergs Verdienst, der das Orchester schon in Lalos effektvoller Ouvertüre zu "Le roi d'Ys" hörbar zu stimulieren verstand. Der erfahrene Dirigent, momentan Chef des renommierten Orchestre de la Suisse Romande in Genf, hatte die Philharmoniker auch in Tschaikowskys Erster bestens im Griff, vertraute auf ihren Klang und mischte vor allem im Adagio cantabile des zweiten Satzes die Stimmen perfekt. Temperament und Sensibilität prägten die Wiedergabe dieser 1866/67 vom 26-jährigen Tschaikowsky komponierten, von seinem Lehrer hart kritisierten Sinfonie. Steinberg und die Philharmoniker rückten sie ins günstigste Licht, sorgten in den Binnensätzen für Atmosphäre und nahmen das zwanghaft auftrumpfende Finale im Handstreich. Viel Applaus für französisch-russische Romantik.<BR></P>

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