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Die Autoren: Gregor Weichbrodt (re.) und Grischa Stanjek von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

Finale von Klums „Germany’s Next Topmodel“ in Reclam-Form

München - Das Finale von Heidi Klums "Germany’s Next Topmodel" auf ProSieben ist als Reclam Heft erschienen. Wir sprachen mit den Autoren.

Heidi Klum ist das Gesicht der ProSieben-Show "Germany's next Topmodel".

Die gelben Büchlein kennt man aus der Schule: Vielen sind die großen Dramen der Weltliteratur erstmals in den so praktischen wie günstigen Reclam-Heften begegnet. Doch die wahren Dramen unserer Zeit spielen sich nicht mehr auf dem Theater ab, sondern im Fernsehen. Der Eindruck entsteht zumindest, lauscht man dem ach so pathetischen Ton der Castingshows.Gregor Weichbrodt (23) und Grischa Stanjek (22) studieren in Berlin Kommunikationsdesign. Für die Uni haben sie das Finale der Heidi-Klum-Show „Germany’s Next Topmodel“, das ProSieben am 9. Juni 2011 zeigte, Wort für Wort transkribiert, in Akte unterteilt und im Reclam-Layout veröffentlicht. Ein Gespräch mit Gregor Weichbrodt über ihr Drama mit dem Titel „Das ist der Tag, von dem ihr noch eueren Enkelkindern erzählen werdet“ und dem theatralischen Potenzial von Heidi Klum und ihren „Mädchen“.

Heidi Klum und Seal wieder ein Paar?

Im Finale von „Germany’s Next Topmodel“ sagt Heidi Klum unwahrscheinlich oft: „Es kann nur Eine Germany’s Next Topmodel werden!“ Was löst dieser Satz heute bei Ihnen aus?

Mittlerweile nicht mehr viel. Das Buch ist vor einem halben Jahr entstanden. Der Satz ist so eine Phrase aus dem Fernsehen, die irgendetwas bedeuten will und nur noch vorbeirauscht.

Auf die Idee, das Finale von „Germany’s Next Topmodel“ in Dramenform zu bringen, können nur Fans kommen. Oder?

Wir hatten eine gute Idee und wollten sie anderen Leuten zeigen. In diesem Falle unseren Kollegen in der Hochschule. Wir sind keine Fans dieser Show und schauen auch nicht besonders viel fern. Menschen gucken diese Show und meckern trotzdem darüber. Man fragt sich, warum sie den Fernseher nicht ausschalten, wenn ihnen nicht gefällt, was sie sehen? Klar: Diese Show anzuschauen, kann mit den richtigen Leuten in großer Runde auch mal Spaß machen. Aber mal ehrlich: Nur, weil man darüber lachen kann, ist das noch keine gute Show und rechtfertigt schon gar nicht die hohen Einschaltquoten. Insofern stammt der treibende Gedanke zu dieser Idee aus einer kritischen Haltung.

Wie schwer war es für Sie und Grischa Stanjek, eine Fernsehshow in ein Drama umzuarbeiten?

Dazu gehört eine gehörige Portion Humor. Bloß nicht ernst nehmen, was im Fernsehen läuft – und sich das Recht herausnehmen, die Dinge einmal nicht zu bewerten. Darin aber liegt bei vielen Fernsehsendungen gerade das Verzwickte: Man wird gezwungen, sich über die absurdesten Dinge eine Meinung zu bilden. Das ist Zeitverschwendung, aber lässt die Leute trotzdem vor dem Fernseher sitzen, da es raffiniert in Szene gesetzt ist. George Orwell lässt grüßen.

Welche Qualitäten haben Heidi Klum, ihre Co-Juroren und die Finalistinnen als dramatisches Personal?

„Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ So enden Märchen, etwa „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Wer ist die Schönste im ganzen Land und gewinnt in der nächsten Staffel? Das Tolle an alten Märchen ist, dass sie eine Moral vermitteln. Das Schlimme am Fernsehen ist, dass dahinter Wirtschaftsunternehmen stehen, die vorwiegend daran interessiert sind, Geld zu scheffeln und ihren Bildungsauftrag leider nur selten wahrnehmen. Entsprechend flach fallen die Inhalte aus, aber daran hat man sich doch schon gewöhnt, oder? Die Identifikation mit den Figuren der Show fällt jedenfalls schwer.

„Germany’s Next Topmodel“ läuft ja auf ProSieben, also mit Werbung. Wie brachten Sie die Unterbrechungen ins Drama?

Wir wollten die Dramaturgie einer Fernsehsendung beibehalten. Dazu gehörten für uns natürlich auch die Werbe-Unterbrechungen. Wir haben also nach Inhalten gesucht, mit dem wir diese Pausen füllen konnten – und sind auf die Fotos von Susanne Bussmann gestoßen. Sie kamen uns sehr gelegen, da sie der „Geschichte“ eine andere Ebene geben. Eine Ebene, in der alles Konkrete verwischt, sich im Abstrakten auflöst. Beim Blättern bildet das ein Gegengewicht zur Show – und bietet die Möglichkeit nachzudenken. Im richtigen Leben sind Werbe-Pausen ja Zeit, um auf die Toilette zu gehen oder sich eine Tasse Tee zu machen.

Ihre Arbeit ist ein Uni-Projekt. Obwohl es bislang nur zwei Exemplare des Dramas gibt, ist das öffentliche Echo beachtlich. Schon mal darüber nachgedacht, das Buch in den Handel zu bringen?

Wir sind im Gespräch mit Verlagshäusern, die das Buch gerne verlegen möchten. Mehr können wir dazu momentan nicht sagen.

Gibt es eine Reaktion von Heidi Klum?

Nein. Aber vielleicht findet sie das Buch ja „super gut“?

Im Frühjahr startet eine neue Staffel von „Germany’s Next Topmodel“. Freuen Sie sich darauf?

Ganz klar: überhaupt nicht.

Das Gespräch führte Michael Schleicher

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