Finale nach 13 Jahren

- Zum Start eine Strauss-Oper unter Kent Nagano, ein Rossini-Zyklus mit Ivor Bolton am Pult, eine deutliche Erweiterung des Sänger-Ensembles: Das alles wird erst ab 2006/ 07 passieren, ab der Ära Christoph Albrecht also. Doch zuvor erleben Münchens Opernfans die letzte Spielzeit unter der Ägide von Sir Peter Jonas, die insgesamt 13., eine "lucky number", wie der Intendant findet.

<P>Und zum Abschluss seines hiesigen Wirkens wird noch einmal richtig geklotzt. Obwohl die kommende Saison an der Bayerischen Staatsoper - bedingt durch das Japan-Gastspiel - einen Monat kürzer ist, werden viel mehr Opern als zuvor gezeigt, 53 insgesamt. Höhepunkt sind dann die Festspiele 2006: 28 verschiedene Inszenierungen aus der Ära Jonas in 34 Tagen, ein Unternehmen, das den Planungsstab vor schier unüberwindbare, nun aber gelöste Probleme stellte.</P><P>Auch wenn Zahlen "sicher langweilig" seien, so offerierte Jonas seine üblichen Erfolgsmeldungen. Die Auslastung des Hauses stieg von 2003 auf 2004 um ein halbes auf 93 Prozent, die Einnahmen konnten um 1,5 Millionen auf 27,5 Millionen Euro gesteigert werden, während die Betriebsausgaben von 77 auf 75,5 Millionen sanken. Die Staatsoper darf sich mit einem Einspielergebnis von rund 40 Prozent brüsten (1992: 29 Prozent), was den Intendanten zur simplen Schlussfolgerung brachte: "Wir könnten diese Institution morgen privatisieren."</P><P>Mit sieben Neuinszenierungen, darunter zwei Uraufführungen, will man in der Spielzeit '05/ 06 locken (siehe rechts), übrigens auch die letzte von GMD Zubin Mehta. Erste Premiere sind Humperdincks hochtragische "Königskinder", die "ein bisserl wie ,Parsifal ohne Jokes" seien, so Jonas' ironischer Kommentar. Edita Gruberova übernimmt erstmals die Norma in einer Inszenierung, nachdem sie die Gipfel-Partie des Belcanto bislang nur konzertant gesungen hat. Regie-Star Peter Konwitschny kehrt  mit  dem  "Fliegenden<BR>"Wir könnten diese Institution morgen privatisieren."</P><P>Sir Peter Jonas über sein Haus</P><P>Holländer" zurück, und für Ruedi Häusermanns "Gewähltes Profil: lautlos", die unwiderruflich letzte Jonas-Premiere, fahndet man noch nach einem Spielort. "Es kann sein, dass wir im Ministerium spielen, auf der Straße oder in allen Theatern gleichzeitig", wie der Intendant drohte.</P><P>Das übrige Repertoire wartet mit einigen interessanten Besetzungen auf: Anna Netrebko soll im Herbst die Gilda singen - wobei offen ist, ob sie sich das noch überlegt, nachdem sie mit Doris Dörries "Rigoletto" vertraut gemacht wurde. Der Bayreuth-gestählte Christian Franz debütiert in München als Tristan, umsorgt von Wolfgang Brendel als Kurwenal (November). Anne Sofie von Otter klagt als Orpheus um die verlorene Eurydike (November). Peter Seiffert kehrt endlich an die Staatsoper zurück: als Florestan (Juni, Juli '06) und Stolzing (Juli '06). Darüber hinaus wird der "Ring des Nibelungen" zweimal angeboten (März). Robert Gambill (Siegmund) und Waltraud Meier (Sieglinde) übernehmen das sündige Inzestpaar. Gabriele Schnaut als Brünnhilde lässt sich abwechselnd von den Wotanen Alan Titus und John Tomlinson in den Schlaf küssen, um von Stig Andersen (Siegfried) wieder wachgebusselt zu werden.</P><P>Noch vor Saisonstart bricht ein Riesentross der Staatsoper nach Japan auf - bereits zum fünften Mal. Gezeigt werden "Tannhäuser" und "Meistersinger" von Wagner sowie, als japanische Erstaufführung, Händels "Ariodante".</P><P>Was nach seinem Rückzug vom Intendantenposten kommt, wollte Peter Jonas nicht sagen. Mit Blick auf seine bisherigen Tätigkeiten meinte er nur: "34 Jahre sind genug, nun sollen junge Leute mit anderen Ideen das machen." Auf jeden Fall bleibe er im Stiftungsrat der Berliner Opern. Eine Tätigkeit, in der er die wahren Gründe für Opernkrisen kennen gelernt habe: Die meisten Probleme entstünden doch durch Querelen innerhalb der Häuser - weshalb es gerade der Bayerischen Staatsoper so gut ginge. "Und deswegen kann ich auch nicht an ein anderes Opernhaus gehen."</P>

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