Finale: Der Sieger im Fach Gesang kommt aus Korea

- Keiner der acht Finalisten im Fach Gesang ging beim 55. Internationalen Musikwettbewerb der ARD leer aus. Bei der Endrunde am Samstag im Münchner Herkulessaal gab es viel Applaus für die jungen Sängerinnen und Sänger. Denn die hochkarätig besetzte Jury - mit ihrem Vorsitzenden Klaus Schultz, mit Theo Adam, Francisco Araiza, Elisabeth Connell, Irwin Gage, Camillo Radicke, Peter Schreier, Julia Varady und Edith Wiens - votierte erstaunlich freundlich.

Sieger im Operngesang wurde der 32-jährige koreanische Bariton Jun Mo Yang. Er errang den mit 8000 Euro dotierten 1. Preis und den Publikumspreis. Der zweite ging an seinen kanadischen Kollegen Joshua Hopkins. Jeweils einen dritten Preis ersangen sich die Sopranistinnen Ilse Eerens aus Belgien und Anna Kasyan aus Georgien, die auch die Sonderpreise der Mozartgesellschaft und des IFB erhielt. In der Sparte Konzertgesang wurden zwei zweite Preise an die deutsch-chilenische Sopranistin Carolina Ullrich (auch Publikumspreis) und an ihre rumänische Mezzo-Kollegin Roxana Constantinescu vergeben.

Zwei dritte Preise erhielten der Tenor Colin Balzer (Kanada) und der lyrische Bariton Peter Schöne (Deutschland). In der Finalrunde präsentierten sich die acht Sieger mit einem bunten Programm: Colin Balzer (3. Preis) eröffnete die letzte Runde mit Mahlers "Der Schildwache Nachtlied". Der 32jährige Kanadier empfahl sich mit einem angenehmen, unforcierten, instrumental geführten Tenor, kluger musikalischer Gestaltung und nuancierter, farbenreicher Charakterisierung. Dem 30jährigen Berliner Bariton Peter Schöne (3. Preis) gelang Pfitzners "An den Mond" in seiner ruhigen Linearität am besten. Roxana Constantinescu (2. Preis), die seit 2003 an der Münchner Hochschule studiert hat, setzte sich mit Mozarts "Alma grande" eindrucksvoll in Szene, und man fragte sich, warum sie nicht in der Sparte Oper angetreten war.

Gleiches gilt für Carolina Ullrich (2. Preis), die mit Mozarts "Exultate" und zwei Strauss-Liedern leichte Koloraturgeläufigkeit, Stilsicherheit und eine schöne, runde Höhe mit viel Bühnenpräsenz verband. Anna Kasyan verriet in Donizettis "Prendi per me sei libero" ("L‘Elisir d’amore") und Bizets "Me voila seul" ("Les Pecheurs de perles") eine ausgezeichnete Technik (Triller, Koloratur) und eine dynamisch differenzierte, theatralisch effektvolle Umsetzung. In der Höhe überzeugte sie noch nicht so ganz. Damit hatte Ilse Eerens (3. Preis) keinerlei Probleme, doch geriet ihr Bellinis Giulietta aus "I Capuleti e i Montecchi" mangels Ausstrahlung arg langweilig.

Jun Mo Yang bewies als Rossinis Figaro Temperament und Spielfreude und trumpfte mit der Arie des Gerard aus Giordanos "Andrea Chenier" mit großer Stimme auf. Dass sein voluminöser Bariton arg rau und offen klingt, störte weder Jury noch Publikum. Weit geschmeidiger und mit höchst gepflegter Stimmführung trat Bariton- Kollege Joshua Hopkins (2. Preis) auf, der den Dandini aus Rossinis "Cenerentola" mit Witz und Ausdruck ausstatte und in Valentins Gebet aus Gounods "Faust" Lyrismus und weiches Legato mit männlichem Timbre verband.

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