Finger im Sektkelch

- Die Wiese hängt an der Decke, und der Himmel klebt am Boden: Hier weiß keiner mehr, wo oben und unten ist. Hier steht die Welt Kopf, verliert man sein Herz und findet den Hass, hier kann sich alles in sein Gegenteil verkehren. Für einen Abend über den Himmel voller (verstimmter) Geigen hat Ausstatterin Katrin Gerheuser die Decke voller Gerbera gehängt, rote für die Liebe und gelbe für die Eifersucht. Schon zum zweiten Mal (nach "Retten - Zerstören") betört sie in der aktuellen Aufführungsstaffel des Münchner Theaters Halle 7 mit einem sinnfälligen Bühnenbild.

Aber "Lieben lernen", eine von Regisseur Dieter Nelle und seinen Schauspielern selbst erdachte "Karaoke-Passion", hat nicht das Zeug, sich diese Ausstattung zunutze zu machen, ja verliert sich vor lauter Kleinteiligkeit in dem lose bestuhlten Raum. In einer Art therapeutischer Revue geben die Schauspieler weidlich ausfantasierte Liebeserlebnisse zum Besten. Das Übliche: seelenruhig sich umorientierende Männer, schlaflose Frauen - nach der Beziehung ist vor der Beziehung, man hat einander nie wieder gesehen.

Dazwischen schmachtender Karaoke-Gesang, der zwar von stimmlichen Schräglagen lebt, hier aber inhaltlich nichts beiträgt, außer der Entschuldigung, dass einige der Schauspieler nicht singen können. Verbale "Liebeswettkämpfe", die zu Liebsschreikrämpfen ausarten, pathetisch vorgetragene Allerweltsweisheiten, erotikfreies Baden der Finger im Sektkelch: Hier wird Wein wieder zu Wasser und die Poesie der Liebe zum lieblosen Kitsch.

Weitere Termine: Heute und morgen; 6.-8.7. und 20.7. Telefon 089/ 53 29 78 29.

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