Flach auf dem Bauch

- Mit ihrer Bewegungsfantasie, ihrem hintergründigen Humor war sie gleich bei Gründung ihrer Compagnie Selfish Shellfish _ auf den Namen muss man erst einmal kommen - so ein bisschen das "enfant terrible" der Münchner Tanzszene. Das war 1995. Seitdem hat Katja Wachter mit ihren Stücken gastiert zwischen München und Mexiko City, Berlin und Brasilien, San Diego und Seoul, Preise gewonnen und unterrichtet, u. a. an der Münchner Iwanson Schule und der Bayerischen Theaterakademie. Dort bringt sie morgen im Akademietheater ihr neues Stück "Pseudocouples" heraus.

<P>"Ich gebe gern Spielregeln für den Körper."<BR>Katja Wachter</P><P>Schmaler sieht sie aus. Abgenommen? "Ja, Stress", sagt sie. "Ein koreanischer Tänzer ist erkrankt, ich musste kurzfristig Ersatz finden." Und die Arbeit mit dem Auftragskomponisten "Nackt", alias PC Christensen, und dem Sänger Christian Sturm (singt John Dowland und Monteverdi) ist auch anstrengender gewesen, als zu reiner Musikkonserve zu choreographieren. Inspiriert wurde Katja Wachter von Samuel Beckett, der für eines seiner Figurenpaare den Begriff "pseudocouple" verwendet:<BR></P><P>"Bei mir gibt es vier Pseudo-Paare. Und bei jedem steht ein Aspekt im Vordergrund. Zum Beispiel, dass zwei Personen eigentlich bloß eine sind, die sich eben nur doppelt manifestiert - was bei Beckett sehr viel vorkommt. Auch dieses Komplementärverhältnis, dass einer die Schwächen des anderen ausgleicht. Für mich war es interessant zu untersuchen, wie man sich auf engstem Raum befindet oder eng zusammenlebt, aber dennoch gleichzeitig eine Distanz da ist. Allerdings wollte ich Beziehungen abseits von den gängigen, also kein Liebespaar oder Ehepaar." Und wie kommt sie auf ihre vertrackten und dabei oft so witzigen Bewegungen?</P><P>"Ich gebe ja gern Spielregeln für den Körper, dass man ihn limitiert und dadurch ganz seltsame Bewegungen zustande kommen. Flach auf dem Bauch liegend, was ist da noch möglich, mit dem Körper zu machen? Diesmal habe ich auch oft eine Person an eine andere gebunden. Die muss dann alle Bewegung des anderen mitmachen, ohne es zu wollen."</P><P>Klar eigentlich, wo Wachter stilistisch steht: "Ich sehe mich nicht beim Tanztheater, wo Inhalt sehr dominant ist, aber auch nicht beim abstrakten Tanz, wo die Form dominiert. Mir ist beides wichtig: die Bewegung als Bedeutungsträger, aber auch dass mit der Form sehr gespielt wird." Das Spielen mit der Form - eine Wachter-Stärke: "Vor dem Tanzstudium in London war ich in rhythmischer Sportgymnastik aktiv und habe mir damals immer schon so kleine Übungen zusammengestellt. Ich wollte von Anfang an etwas mit Bewegung machen. Ich habe aber nicht gedacht, dass ich Tänzerin werden würde. Habe ja so 15 mal versucht, an der Heinz-Bosl-Stiftung unterzukommen. Hat aber nicht geklappt. Mir nahe gelegt, das Tanzen doch aufzugeben", lacht sie ziemlich verschmitzt. Wer weiß, vielleicht wird sie doch noch genommen - verspätet, als zeitgenössische Choreographin für Konstanze Vernons geplante "Bosl"-Junior-Compagnie.</P><P>Bis 11. Januar, Beginn jeweils 20. 30 Uhr; Karten unter Tel. 089/ 54 81 81 81<BR></P>

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