Flamenco aus der Seele

- Das "Prinze" tanzt! Gleich nach der Martha Graham Company zieht das Ballet Teatro Espanol de Rafael Aguilar ins Münchner Prinzregententheater ein: Vom 3. bis 13. August sind drei Klassiker aus dem Œuvre des 1995 verstorbenen Aguilar zu sehen: "El Rango" frei nach García Lorcas Drama "Bernarda Albas Haus", Ravels "Bolero" in Flamencoversion und "Suite Flamenca", ein bunter Fächer von Flamenco-Tänzen und Cantes. Mit dabei Francisco Guerrero, den man von früheren Gastspielen als charismatischen Tänzer in Erinnerung hat.

In der "Suite Flamenca" tanzen Sie eine Farruca. Laut Nachschlagewerk ist es ursprünglich ein Volkstanz aus Asturien/ Nordspanien, der vom Flamenco assimiliert wurde. Andere Lexika sagen, der Tänzer Faico habe die Farruca im 19. Jahrhundert kreiert. Sie gilt als ernster Tanz, der sich mit einem gewichtigen Anteil an schneller, dichter Schlagtechnik ähnlich wie im Zapateado als Männertanz zu erkennen gibt.

Francisco Guerrero: Normalerweise wird die Farruca nicht von Gesang begleitet. Es gibt allerdings einen einzigen Farruca-Liedtext, in dem das Wort "Galicien" vorkommt, was ihre Herkunft aus Nordwestspanien nahe legt. Für mich sind ihr Rhythmus und die Emotionalität ihrer Akkorde einfach wunderbare Mittel, um mich tänzerisch auszudrücken.

Der berühmte Cantaor El Chocolate hat gesagt: "Nur wer Elend und Verfolgung kennt wie unser Volk, die Gitanos, kann den Flamenco verstehen. Nur wer im Leid aufgewachsen ist, kann Flamenco singen." Gilt das auch für den Baile, den Flamenco-Tanz?

Guerrero: Wir leben in einer anderen Zeit... Der Flamenco kommt aus der Seele, er ist Wehklage, aber auch Lachen, Fröhlichkeit, Nostalgie, Eifersucht, Zorn. Er drückt die Bandbreite von Gefühlen aus - ungeordnet.

Der "Bolero" ist äußerst anstrengend zu tanzen. Verbraucht man sich nach einer gewissen Zeit in diesem Marathon-Tanz? Oder erzwingt die Fluktuation innerhalb eines Ensembles jeweils eine Neubesetzung?

Guerrero: Jeder muss seinen eigenen Weg gehen, sich jederzeit neue Herausforderungen suchen. Das nutzt beiden Seiten, dem Tänzer und der Compagnie. So werden Sie immer neue Tänzer finden, die den Choreographien von Rafael Aguilar eine frische Farbe geben.

Verursacht das jahrelange harte Aufstampfen im Flamenco nicht irgendwann Knie- und Fußgelenkbeschwerden?

Guerrero: Unser Körper ist immer anfällig für Verletzungen. Heute verfügt der Flamencotänzer jedoch über verschiedene Trainingsmethoden aus den klassischen und zeitgenössischen Disziplinen, um doch in guter körperlicher und technischer Verfassung zu bleiben.

Seit 2002 sind Sie künstlerischer Koordinator an der Seite der Compagnie-Leiterin Carmen Salinas. Was sind Ihre speziellen Aufgaben?

Guerrero: Jeden einzelnen Tänzer für die Show optimal vorzubereiten und alle aufeinander einzustellen. Und Rafael Aguilars Stücke in all ihren choreographischen Nuancen kristallklar zu bewahren.

Braucht das Ballet Teatro Espanol nicht auch mal eine neue Choreographie?

Guerrero: Aguilar hat Meisterwerke geschaffen. Aber natürlich hat die Compagnie auch Lust, neue Stücke einzustudieren, um den Namen Rafael Aguilar weiterhin auf den Bühnen der Welt präsent zu halten.

Das Gespräch führte Malve Gradinger

Karten: Tel. 089/ 93 60 93, 0180/51 52 530 oder www.muenchenmusik.de

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare