Flammender Appell

- Eines kann man Bono nicht vorwerfen: dass er es sich leicht macht. Er schraubt an der Atombombe herum, reist um den Globus und fordert Schuldenerlass für die so genannte Dritte Welt, Frieden und religiöse Eintracht sowieso. Da wird man von Skeptikern schon mal gerne als eitler Eiferer, hohler Pathetiker und naiver Grüßaugust der Weltpolitik bekrittelt. Das scheint ihm egal zu sein. Der U2-Sänger tut, was er kann, und das ist eben die große Pose für die gute Sache.

Im ausverkauften Münchner Olympiastadion zeigte sich, dass man ihn und die Band dafür liebt. Die Wiedersehensfreude war ohrenbetäubend, als Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen zum ersten Song "Vertigo" in die Pfützen auf der gigantischen Bühne stiegen. Es regnete in Strömen, den Fans war's egal. Und spätestens, als die flirrende Gitarre von The Edge die weite Soundlandschaft von "Elevation" aufs Trommelfell pinselte, stellten sich erstmals die Haare auf.

Ein wenig Wahlkampf

Bono schwelgte, die Arena wogte wie ein Weizenfeld im Wind. Die Musik, die die Iren spielen, ist für solche Momente geschaffen, und selbst der über weite Strecken bescheidene Sound konnte ihrer Effektivität nichts anhaben. Souverän stolzierte Bono auf einem Steg durch die Menge, bevor er das Weizenfeld mit seinem besten Song, dem Gospel "I Still Haven't Found What I'm Looking For", in ein Flammenmeer verwandelte.

Der Boden war bereitet für den politischen Teil des Abends, eingeleitet von "Love, Peace Or Else" und "Sunday Bloody Sunday". Nun kam Bonos Talent als großer Kommunikator, der den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Anspruch und Massentauglichkeit auslotet, vollends zum Tragen. Er betete für die Amerikaner, "not to become a monster in order to defeat a monster". Im Hintergrund verlas ein schwarzes Mädchen die Menschenrechte, die große Leinwand prangte mit Slogans wie eine Reklametafel. "Make poverty history!", forderte Bono einmal mehr und zeigte sich stolz auf die beim G-8-Gipfel beschlossene Hilfe für Afrika. Ein wenig Wahlkampf für Kanzler Schröder in diesem Zusammenhang gab es auch noch ("Your chancellor took the right decision").

Dazu die Hits "Pride" und "One". Der flammende Appell kam an. Am liebsten aber, das merkte man, hat das Publikum seinen Zampano, wenn er sich auf die Rockshow beschränkt - wie im Zugabenteil, als er einen jungen Mann aus dem Publikum an die Gitarre ließ - und wenn sein Pathos leisen Tönen weicht, wie in "Sometimes You Can't Make It On Your Own", das er seinem Vater widmete. Dazu nahm er sogar die getönte Promi-Brille ab. Die könne sein alter Herr nicht leiden, gab er zu. "Son, what are you wearing those glasses for? You're looking stupid."

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