Die Flasche Bier im Klavier

- "Also, ich hab' mir einen Weg aufgeschrieben, zuerst den Stockhausen beim Klaviermarathon, dann . . . " Manche haben bereits einen Schlachtplan in der Manteltasche stecken, als sie zur Karl-Amadeus-HartmannNacht in die Münchner Musikhochschule kommen, andere studieren erst mal im Foyer bei einem heißen Würschtl das Programm.

<P>Aufgeführt werden an diesem Samstagabend nicht nur Stücke von Hartmann, wie zum Beispiel sein gesamtes Klavierwerk, sondern auch Musik seiner Lehrer, Vorbilder und Kollegen, darunter Kurt Weill, Hanns Eisler, Igor Strawinsky und Hans Werner Henze. Die Musiknacht bietet somit ein recht umfassendes Bild der Avantgarde von den 20er- bis zu den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts.<BR><BR>"Gehen Sie nach hinten, es wird laut!"</P><P>Die Stehtische im Foyer sind der Treffpunkt des Abends. Beim Hin- und Hergehen zwischen den Sälen kann man eine kleine Pause einlegen, sich über das Gehörte austauschen und Tipps für weitere Programmpunkte ergattern. Ein solcher ist sicherlich die Musik für Schlagzeug im nördlichen Lichthof. Die Warnung "Gehen Sie nach hinten, es wird laut!" bestätigt sich spätestens bei Edgar Varè`ses "Ionisation" - 13 Schlagzeuger und zwei Sirenen kommen zum Einsatz. Ein 1992 bei der Münchener Biennale uraufgeführtes Scherzo von Hartmann stellt das Körperlich-Geräuschhafte der Schlagwerkmusik heraus. Skizzen fanden sich auf der Rückseite anderer Partituren, sie wurden von Wilfried Hiller zusammengesetzt und ergänzt. Ein optischer und klanglicher Höhepunkt in John Cages "First construction in metal" ist nicht nur das Spiel mit platt gewalztem Blech, sondern auch die Bearbeitung der Klaviersaiten mit einer Augustiner-Bierflasche.<BR><BR>Spätestens nach diesem Programmteil, den man auf der kalten Steintreppe verfolgt, muss ein wärmeres Plätzchen her. Der Konzertsaal zum Beispiel. Hier treten Instrumentalisten und Sänger auf, darunter die Singphoniker mit einer echten Hartmann-Uraufführung: die Kantate für Männerstimmen nach den Worten von Becher und Marx. Das Männerensemble widmet sich an diesem Abend den politischen Werke, in denen die Themen Krieg und Tod verarbeitet werden. Nach der "Konfrontation" des Publikums mit Weills "Berliner Requiem" dann doch noch eine Kehrtwende: Die Nacht klingt mit virtuos und humorvoll interpretierten Schlagern der Comedian Harmonists aus.<BR><BR></P>

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