Flick-Werk

- Jetzt ist es besiegelt: Die hochkarätige Kunstsammlung Friedrich Christian Flicks geht nach Berlin. Sie enthält vorwiegend Gegenwartskunst und umfasst etwa 2500 Exponate von 150 Künstlern.

<P>Erstmals werden die Werke 2004 in der Hauptstadt zu sehen sein. Doch handelt es sich bei diesem Deal, über den sich die Berliner Polit- und Museums-Administration sehr glücklich zeigt, nicht um eine Vergabe auf Dauer, sondern um einen auf sieben Jahre befristeten Vertrag. </P><P>Als Ausstellungsort ist eine alte Lagerhalle neben dem Kunst-Schauplatz Hamburger Bahnhof vorgesehen. Flick wird den Um- bzw. Ausbau vornehmen, alle Folgekosten trägt das Land Berlin.<BR>In den offiziellen Jubel über den tollen Fang mischen sich zu Recht herbe Töne in Moll. Denn die Flick-Dynastie war aufs Engste und hochprofitabel mit den NS-Machthabern verbunden. </P><P>Aber davon will die parteilose Kulturstaatsministerin Christina Weiss, die Vorsitzende des Stiftungsrates der Preußen-Stiftung, in diesem Zusammenhang nichts wissen: "Der Kunsttransfer nach Berlin ist ein Glücksfall", sagte sie. Eine "Konvergenz" von Verbrechen während des Nationalsozialismus und der Sammlung verbiete sich. Kunst dürfe nicht in Sippenhaft genommen werden. Und auch Antje Vollmer (Grüne) sowie Monika Griefahn (SPD) mahnen den "pfleglichen Umgang" mit Kunstmäzen Flick an. </P><P>Das Ganze ist nicht unpikant. Der deutsche Milliardär hatte seine Collection zunächst der Stadt Zürich angeboten. Doch die lehnte dankend ab. Der Grund: der unklare Ursprung des Flick-Vermögens, die Rolle des Großvaters Friedrich Flick im "Dritten Reich" sowie die Tatsache, dass dessen Enkel, der Kunstsammler, sich weigerte, in den deutschen Entschädigungsfond für NS-Zwangsarbeiter einzuzahlen. Erst auf öffentlichen Druck gründete er vor zwei Jahren in Potsdam eine Stiftung zur Förderung von Zivilcourage gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz mit seinerzeit zehn Millionen Mark.<BR><BR>Nun ist es ausgerechnet das rot-rote Berlin, das sich nicht um die Quellen schert und das jenem Mann ein Denkmal setzt, der sich auch noch seit fast drei Jahrzehnten dem Zugriff der deutschen Steuerbehörden entzieht. Dass gerade die so genannten Linken und insbesondere der PDS-Kultursenator Flier damit kein Problem haben, spricht für ihre besondere Anfälligkeit gegenüber dem großen Kapital.</P><P><BR><BR> </P>

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