Flinker "Barbier"

- Das war ein Ensemble! Musikalisch ganz auf Rossinis Spur. Und komödiantisch? Da reichten 50 Quadratzentimeter pro Person, um anzudeuten, was auf einer Opernbühne abgegangen wäre. Denn leider handelte es sich beim jüngsten Münchner "Barbier von Sevilla" nur um eine konzertante Aufführung. Wieder einmal trumpfte das Münchner Rundfunkorchester mit der Oper auf. Diesmal nicht mit einer Rarität, sondern mit einem Top-Ensemble, das eigentlich von Vesselina Kasarova als Rosina angeführt werden sollte. Doch für die Erkrankte sprang kurzfristig Elina Garanca ein und sahnte - zusammen mit ihren Kollegen - beim Sonntagskonzert im Gasteig mächtig ab.

<P class=MsoNormal>Die 29-jährige Lettin, eine aparte, charmante Bühnenerscheinung, ist bereits Salzburg- und Wien-erprobt. Sie bestach mit einem wohlig timbrierten Mezzo, der sich aus satter Tiefe mühelos in eine blühende Höhe entwickelt und dabei jene flinke Koloratur-Beweglichkeit aufweist, die Rossinis Spezialität ist. Der ebenfalls blutjunge Lawrence Brownlee bot als verliebter Almaviva alle tenoralen Verführungskünste auf: ein seidig schimmerndes Timbre, stilvolle Phrasierung, edles Legato bei exaktester Artikulation sowie hohe Flexibilität und Geschmeidigkeit - genug Talente, um neben Rosina auch noch das Publikum zu erobern. Dritter Jungstar im Bunde war Nathan Gunn (Billy Budd an der Staatsoper), der mit frischem Bariton einen unbeschwerten Figaro sang. Nicht ganz so prägnant (in der Diktion) und vielleicht dadurch zuweilen ein wenig im Hintertreffen gegenüber dem Orchester.</P><P class=MsoNormal>Keinerlei Durchsetzungsprobleme hatten die beiden tiefer angesiedelten Herren: Bruno de Simone kostete als Doktor Bartolo alle Komik musikalisch souverän aus und Kristinn Sigmundsson köchelte als Don Basilio das zart säuselnde Gerücht zu donnernder Wucht auf. Beim Personal hielt sich Roberto Accurso (Fiorello) weit sympathischer zurück als Giovanna Donadini (Berta).</P><P class=MsoNormal>Mehr filigraner Handwerker als Funken sprühender Animator manövrierte Miguel Gomez-Martinez das animiert und präzis reagierende Rundfunkorchester sicher durch die Partitur und blieb auch für die Sänger und die BR-Chor-Herren der Fels in Rossinis rhythmischen Strudeln.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“

Kommentare